Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075440
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Der Barockstyl. 
Mauer ist, wird irgendwie für ein solches Schaustiick gesorgt, und 
wenn man es auch nur hinmalen müsste. Wo ein hinterer Durch- 
gang ist, wird er mit grossartigen Formen umgeben und auf diese 
Weise irgend eine bedeutende Erwartung geweckt. Der Hof der 
aConsulta beim Quirinal (von Fnga) giebt, vom vordern Portal aus 
gesehen, ein solches Scheinbild, dem das Ganze des Hofes gar nicht 
b entspricht. Im Pal. Spada zu Rom hat B orromini von der linken 
Seite des Hofes aus nach einem Nebenhof einen Siiulcngang ange- 
legt, dessen wahre Länge das Auge nicht gleich erräth.  Wie schon 
in der vorigen Periode, z. B. in den Palästen von Genua, auf solche 
Durchblicke hingearbeitet wurde, ist oben (Seite 350) nachzulesen.  
cAm Palast von Monte Oitorio in Rom (von Bernini und Carlo 
Fontana) ist der ganze halbrunde Hof mit der Brunnenschale in der 
Mitte nur auf den Durchblick aus dem Vestibul berechnet. 
Der Stolz der damaligen Paläste sind aber vorzugsweise die 
Treppen. Wer irgend die Mittel aufwenden kann, verlangt breite, 
niedrige Stufen, bequeme Absätze, steinerne (selten eiserne) Balustra- 
den und eine reiche gewölbte Decke. Als das Ideal der Treppenhau- 
dkunst galt BerninPs Scala regia im Vatican mit ihren ionischen 
Sänlenreihen und ihrer kunstxeich versteckten Verengerung. Man wird 
in der That zugeben müssen, dass auf einem so geringen Raum nichts 
Imposanteres denkbar ist. In den Palästen der neuen Nepotenfamilie 
e Corsini zu Rom (von Fuge) und zu Florenz sind dagegen den Dop- 
peltreppen eigene grosse Gebäude gewidmet; es war das einzige, wo- 
durch man die Paläste vor denjenigen des altern Adels ganz ent- 
fschieden auszeichnen konnte. Die Treppe des Pal. Lancellotti in Velletri 
(von Mart. Lunghi d. ä.) ist schon um der Aussicht willen, die 
_g von ihren Bogenhallen eingefasst wird, einzig auf Erden.  In eini- 
gen Palästen von Bologna (z. B. Pal. Fioresi) erblickt man durch 
eine Öffnung des Plafonds die hellbeleuchtete, mit einem Frescobilde 
versehene Decke eines obern Raumes. WViederum eines jener Mittel, 
durch welche der Barockstyl die Voraussetzung einer viel grössern 
Ausdehnung und Pracht zu erwecken Weise, als wirklich vorhanden 
ist. (Vgl. Seite 380, u. m. a. Stellen.) 
Was an obern Vestibulen, Vorsälen u. s. w. Gutes ist, 
beruht meist auf der Wiederholung früherer Motive.
        

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