Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075421
392 
Der Barockstyl. 
Im Allgemeinen haben diejenigen ohne Pilasterbekleidung das 
Übergewicht; bei der bedeutenden Grösse und Iilöhe der Gebäude 
war es aus ökonomischen und baulichen Gründen gerathen, darauf zu 
verzichten; auch waren die Pilasterordnungen nicht leicht in Einklang 
zu bringen mit den Fenstern der kleinen Zwischenstockiverke (Mez- 
Izanineu), welche zur Zeit der Renaissance entweder halb verhehlt, d. h. 
in die Friese verwiesen, oder doch ganz anspruchlos angebracht wur- 
den, jetzt dagegen sich einer gewissen Grösse und Ausschmiickung 
erfreuen sollten, sodassldas Mczzanin ein eigenes Stockwerk wird. 
Paläste mit Einer Ordnung, wie die Nachfolger Palladitfs sie ent- 
ivarfen, passten z. B. für die pompliebenden römischen Fiirstenfamilien 
nicht mehr. Die unschöne und leblose Einralnnung der Mauertheile 
in Felder, welche seit dem XVII. Jahrhundert häufig vorkömmt, soll 
eine Art von Ersatz bieten, da einmal das Auge die verticale Glie- 
derung nicht gerne völlig entbehrt. Das Detail unterliegt theils einer 
reich barocken, thcils einer wüsten und rohen, missverständlich von 
der Rustica abstrahirtcn Bildung; auch WO es verhiiltnissmässig rein 
bleibt, sieht man ihm die Theilnahmlosigkeit an, womit es, bloss um 
seine Stelle zu markiren, gebildet wurde. An den Kranzgcsimsen 
tritt, während man vor demjenigen des Pal. Farnesc in Rom (S. 331, d) 
noch immer die grösste Verehrung zu empfinden vergab, cinc er- 
staunliche Willkür zu 'l'age, indem Jeder neu sein irollte.  Eine 
wirkliche Neuerung waren, beiläuiig gesagt, die grossen Portale; 
die Zeit des Reitens begann der Zeit des Fahrens Platz zu machen. 
 Der einzig-c mögliche Werth der Gebäude liegt natürlich nur in 
den Proportionen. 
a Die beste römische Fassade dieser Zeit ist die des Pal. Sciarra, 
von Flaminio P0 nzio , vermöge der einfachen aber nachdriicklichcn 
Detailbildung und der reinen Verhältnisse der Fenster zur hiauermasse, 
sowie der Stockwerke unter sich. Durch grossartige Behandlung des 
Mittclbaixes in drei Ordnungen mit offenen Bogenhallen zeichnet sich 
b Pal. Barberini aus (von M adcrna und Bernin i). Die Iilassadc des 
(1 Quirinals gegen den Platz (von Ponzio) zeigt wenigstens eine gross- 
artige, noble Vertheilung der Fenster. 
Der berühmte Domenico Fontana ist gerade in dieser Be- 
ziehung niemals recht glücklich; seine Fenster stehen entweder zu
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.