Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075366
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Der Barockstyl. 
lieh die Altargiebel u. dgl. mit Heiligen und Putten von Marmor und 
Gyps. Von irgend einem Verhälfniss zwischen diesen Decorations- 
iiguren und den Statuen der Nischen ist a priori nicht die Rede, da 
schon die Nischen selber kein bewusstes Grössenverhältniss mehr zum 
Gebäude haben. 
Oberhalb der Gesimse beginnt endlich der Raum, in Welchem die 
entfesselte Decoration ihre Triumphe, bisweilen auch wahre Orgien 
feiert. Seit der altchristlichen Zeit hatte die Gewölbemalerei in 
Italien nie ganz aufgehört, allein sie hatte sich entweder auf die Kup- 
peln und auf die Halbkuppeln der Tribunen beschränkt, oder (wie in 
der Schule Giottcfs) sich der baulichen Gewölbeeintheilung strenge 
untergeordnet. Zur Blüthezeit der Renaissance hatten in den besten 
Gebäuden nur Kuppeln und Halbkuppeln tigiirliehe Darstellungen; die 
übrigen Gewölbe waren cassettirt. Michelangelo, der das Gewölbe 
der Sistina ausmalte, zog doch für die Hanptgewölbe von S. Peter 
die vergoldete Cassettirung vor; Coreggio malte nur Kuppeln und 
Halbkuppeln aus. Auch der Barockstyl begnügte sich noch bisweilen 
mit einfacher Ornamentirung seiner lhannengewölbe, doch bald riss 
die Deckenmalerei Alles mit sich fort; vielleicht zum Theil, weil die 
handfesten Maler sie schneller und woblfeiler lieferten als die Stucca- 
toren ihr sehr massives und kostspieliges Cassettenwerk. Es blieb 
noch immer der vergoldeten Stuccaturen genug übrig, in Gestalt von 
Einrahmungen aller Art um die llialereicn, auch von Frnchtschnü- 
ren an Gesimsen, Archivolten u. s. w. Oft sind diese Theile das 
Beste der ganzen Decoration. (Festons mit besonderer Beziehung auf 
die Gärtner und Lebensmittelhändler als Stifter, in S. Maria delP 
aOrto zu Rom, Trastevere.) Es giebt Beispiele solcher Einrahmungen, 
in welchen die unbewegten architektonischen und die bewegten vege- 
tabillschen Theile mit einem dritten Bestandtheil zusammen ein über- 
aus glückliches Ganzes ausmachen; dieses dritte ist die Muschel, ein 
organisches Gebilde und doch in festem Stoß", das gleichsam die Mitte 
einnimmt zwischen jenen beiden. Freilich entsteht noch öfter eine 
bombastische Fratze als ein schönes Ornament. Doch wir kehren zur 
Gewölbemalerei zurück.
        

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