Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075269
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Der Barockstyl. 
Die Thürme sind in diesen Zeiten am leidlichsten, wo sie nur 
als kleine, schlanke Carnpanili von anspruchloser, leichter Bildung 
neben die Kirche hingestellt werden. Man gewöhnt sich bald daran, 
diesen durchsichtigen Pfeiler als Trabanten der Kuppel hübsch zu 
finden und vermisst ihn ungern WO er fehlt.  Sobald dagegen diese 
Naivetät wegfzillt, sobald der Thurrn als solcher etwas bedeuten soll, 
geht der hier ganz entfesselte Barockstyl in die unglaublichsten Phan- 
tasien über. Borromini baut in Rom Thürme von ovalem Grund- 
aplan (S. Agnese in Piazza navona), mit zwei convexen und zwei 
concaven Seiten (Kloster der Chiesa nuova), mit spiralförmigem Ober- 
bau (Snpienza) u. s. w.; endlich giebt er gleichsäm ein Manifest aller 
b seiner Stylprincipien in dem Thnrm von S. Andrea delle Fratte. Wenn 
in diesem Wahnsinn Methode und künstlerische Sicherheit ist, so fehlt 
dieselbe ganz in dem (vielleicht) grössten Barockthurm Italiens: dem- 
djenigen an S. Sepolcro in Panna. Neben diesem abscheulichen Ge- 
bäude kann selbst die Nüchternheit mancher andern Thiirme will- 
kommen sein. 
Viel grössere Theilnahrne wurde dem Äussern der Kuppeln 
zugewandt, Welche das Vorbild der Petcrskuppcl nach Kräften re- 
produciren. Ein Wesentlich neues Motiv kommt wohl kaum vor, ob- 
wohl sie unter sich iiusserst verschieden sind in den Verhältnissen 
und im Detail des mit Ilalbsäulen umgebenen Cylinders und in dem 
Wölbungsgrad der Schale. Ich glaube nicht, dass eine in Italien 
vorhanden ist, welche dem ungemein schönen, beinahe parabolischen 
Umriss von hlansardh Invalidenkiqylael gleichkömmt; doch haben die 
meisten spiitern mit dieser genannten die bedeutendere Höhe und 
Schlankheit gemein. Auch hier offenbart sich der principielle Hoch- 
bau des Barockstyles. In Neapel ist die verhiiltnissniässige Niedrig- 
keit der Kuppeln durch die vulcanische Beschaffenheit der Gegend 
vorgeschrieben. 
Die wichtigsten Neuerungen erfuhr die Anlage des Innern. Zu- 
nächst muss von dem weitem Schicksal der bisher üblichen Formen 
die Rede sein. 
Süulenkirchen kommen zwar noch vor, aber nur als Aus- 
nahrne und nach 1600 kaum mehr; nicht nur War die ganze ange-
        

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