Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075254
Fassaden. 
Perspectivische Reizmittel. 
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viel kühnere Mittel der Seheinerweiteruug vor. Derselbe Pietro da 
Cortona wusste der kleinen und übel gelegenen S. M. della. Paeea 
ein majestätisches Ansehen zu geben, indem er vor die Fassade eine 
kleine halbrunde Vorhalle, um die hintere Hälfte der Kirche aber eine 
grosse, hohe, deeorirte Halbrundmauer hinstellte, deren vordere Ab- 
schlüsse durch reichmotivirte Zwisehenbauten mit der Kirche verbun- 
den sind. Das Auge setzt nicht nur hinter dieser Mauer ein grösseres 
Gebäude voraus, sondern es würde auch von den beiden eontrastirenden 
Curven und der sehönweehselnileu Sehattenwlrkung auf das ange- 
nehmste berührt werden, wenn die Einzelformen etwas reiner wären. 
 Bernini, als er um die Kirche von Arieeia ebenfalls eine Iialb- b 
rundmauer anlegte, brauchte die List, dieselbe nach hinten hin all- 
mälig niedriger werden zu lassen, damit das Auge ihr eine weitere 
Entfernung uiid grössere Ausdehnung zutraue; er rechnete nicht dar- 
auf, dass nach 200 Jahren eine Brücke über das Thel würde geführt  
werden, von welcher aus sein Betrug sich durch die Seitenansicht 
verräth. Wir werden ihn noch auf andern Erfindungen dieser Art 
betreten. 
Die Seitenfassaden, wie überhaupt das ganze Äussere mit 
Ausnahme der Hauptihssade und Kuppel, sind in der Regel blosse 
Zugabe. Nicht nur wurden die vorhandenen Mittel durch möglichste 
Grossriiumiglzeit (und Pracht) des Innern und durch möglichsten Hoch- 
bau in Anspruch genommen, sondern die Kunst hat, auch wo das 
Geld ausreichte, auf eine höhere Durchbiidrlng dieser Theile beinahe 
verzichtet. Höchstens werden die beiden Ordnungen der Fassade, zu 
Pilastcrn ermiissigt, so gut es geht zur Einrahmung und Theilung der 
Mauerflächen benützt. WVo Strebepfeiler an die Mauer des Ober- 
schiffes hinansteigen, sind sie meist von todter oder sehr barocker 
Gestalt. Die tiichtigste Physiognomie zeigen die Aussentheile einiger 
oberitalischen Kirchen, vermöge des Backsteins, der hier ungescheut 
zu Tage tritt; so z. B. an S. Salvatore 'in Bologna. (von Magen ta).ß 
Der hlosse Mörtel dagegen offenbart die ganze Formlosigkeit. Von 
den römischen Kirchen bietet nächst S. Peter der Hinterbau von S. 
Maria. maggiore wenigstens eine grosse und malerisch gut disponirted 
Travertinmasse dar. 
        

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