Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071670
Das Pantheon. 
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für das decorativc Geschick der Römer bewundern müssen, welche ihr, 
und vorzüglich ihrem Capitäl Eines um das andere aufzuladen wuss- 
ten, bis es endlich doch zu viel wurde. Sie unterbraehen das Blatt- 
Werk des Capitäls mit 'l'hierfiguren, Trophäen, Menschengestalten, end- 
lich mit ganzen Historien, wie zur Zeit des romanischen Styles im 
Mittelalter. (Ein historienreiches Capitäl der Art im Gia-rdino della Pigna a 
des Vaticans.) Sie lösten auch die letzten glatt gebliebenen Profile 
des Gebälkes in Reihen von Bläitterzierrathen auf. (Dioeletiansthermen, b 
jetzt S. lilaria degli Angeli zu Rom.) Das Ende war eine definitive 
Ermüdung und plötzlich hereinbreehende Roheit. 
Das schönste Beispiel korinthischer Bauordnnng ist anerkannter 
Massen das Pantheon in Rom; ein Gebäude, welches zugleich so c 
einzig in seiner Art (lasteht, dass wir es hier vorweg behandeln müssen. 
Ursprünglich von Agrippa als IIaupthalle seiner Thermen gegründet 
und erst später von ihm als Tempel ausgebaut und mit der Vorhalle 
versehen, hat es nach allen Restaurationen und Beraubilngexi seine 
ausserordentliehe Wirkung im XVesentliehen gerettet, doch nicht ohne 
schwere Einbusse. Wir wollen nur dasjenige anführen, was die el1e- 
malige, ursprüngliche Wirkung zu veranschaulichen geeignet ist. 
Zunächst denke man sich den jetzt stark ansteigenden Platz viel 
tiefer und eben fortlaufend; denn fünf Stufen führten einst zur Vor- 
halle hinauf. S0 erhält der jetzt etwas steil und hoch scheinende 
Giebel erst sein wahres Verhältniss für das Auge. Man fülle ihn mit 
einer Giebelgruppe oder wenigstens mit einem grossen Relief an, und 
kröne ihn mit den Statuen, die einst der Athener Diogenes für diese 
Stelle fertigte. (Die gewaltigen Granitsäulen sind allerdings ihres Stoffes 
halber grossentheils unberührt geblieben; leider wagte sich die angu- 
steische Zeit selber nicht gerne an diese Steinart und liess die Säulen 
dem Steif zu Ehren imcanneliit, Während die marmornen Pilaster ihre 
sieben Cannelirungen auf jeder Seite erhielten.) Ferner entsehliesse 
man sich, aus den (hu-ehgiingig mehr oder minder entblättcrten Ca- 
pitäilen in Gedanken ein ganzes, unverletztes zusammenzusetzen; ge- 
hören sie doch in ihrer Art zum Schönsten, was die Kunst geschaffen 
hat 1). (Die Schncidung des läelchrandes mit der Deckplatte, ver- 
 Der Ilochniuth Bcrninis spricht sich gar zu dcullich aus in den Gapitiilen der 
drei Säulen der Ostseiic, welche er in seinem und seiner Zeit bombastische-In 
B. Cicerosee. 2
        

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