Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075156
Nachfolge Palladiws. 
Scamozzi. 
365 
die palladianisehen Formen der Palastfronten, Höfe, Kircheninterieurs 
u. s. w. wurden äusscrlich gehandhabt, als grossartigste Decoration, 
die sich Vorbringen liess, und zwar oft in ganz knechtischer Nach- 
ahmung bestimmter Bauten; umsonst lehrten die Urbilder, dass der 
Meister jede einzelne Aufgabe anders und immer neu zu lösen ge- 
wusst hatte. I 
Dennoch überwog der Vortheil. Unläugbar blieb man auf dieser 
Fährte den Wahren und ewigen Gesetzen der Architektur näher als 
wenn man dem Baroekstyl folgte. Bei der grossen Einfachheit des 
Details in diesem System erhielt sich auch eher der Sinn für die 
Wirknngder Verhältnisse, welche nun einmal die Seele der modern- 
italicnisehen Baukunst sind. Jeden Augenblick kann sich dieser Styl 
wieder der echten wenigstens römischen, wenn nicht griechischen Bil- 
dung nähern; es ist, so zu sagen, noch nicht viel an ihm verdorben. 
Ja, wenn sich Auge und Sinn darüber Rechenschaft geben, wie 
sehr schon das Einfach-Grossräuniige  in wenigstens nicht unedeln 
Formen  auf die Stimmung wirkt, wie sehr das Gefühl „im Süden 
zu sein" davon bedingt ist, so lernt man diese Nachfolge Palladicfs 
erst vollkommen schätzen. Ihr verdankt das moderne Oberitalien, 
hauptsächlich Mailand, jene Bauphysiognomie, die man kalt undherz- 
los, aber niemals kleinlich sehelten kann. Sie hat das Bediirfniss nach 
dem Grossen und Monumentalen wach gehalten und damit für jede ' 
höhere Entwicklung in der Baukunst einen günstigen Boden vorbe- 
reitet. Ein grosser Gedanke trifft wenigstens in jenen Gegenden auf 
keine meschine Baugesinnung. 
In Vicenza selbst Vvar und blieb Palladio „das Palladium", wie 
Milizia in seinen Briefen sagt, und wie man aus Göthe's italienischer 
Reise noch deutlicher ersieht. Schon ein (xiicht sehr dankbarer) vi- 
centinischer Zeitgenosse, Vincenzo Seamozzi (1552-1616), zeigt 
sich in seinem bedeutendsten Gebäude, Pal. 'l'rissino am Corso, wesent- a 
lieh von Palladio abhängig. (Von ihm auch Pal. 'l'rento unweit vom 
Dom, und in Venedig der schon genannte Ausbau der Procurazien, b 
sowie ein Pal. Cornaro am Canal grande, dann mehrere Villen u. s. w. c 
Scamozzi ist durch sein grosses Werk „Architettura universale" be- 
kannter als durch seine eigenen Bauten). Aber noch viel später galt 
Palladio in der Heimath als Vorbild. Theils nach vorhandenen Zeich-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.