Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075123
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Architektur von 1540 bis 1580. 
Intervallfläehen harmonisch zu verzieren ist unmöglich, weil dieselben 
durch die Schwellung der Säuleifleine nicht-Wiukelrechte Form haben 
und im Grunde doch nur ein Ersatz sind für den freien Durchblick 
einer offenen Säulenhalle 1). Palladio musste ihnen Nischen mit Sta- 
tuen geben. Endlich ist das Anlehnen der Halbgiebel mit ihrem 
schiefen und ihrem wagerechten Sims (der dann über dem Portal 
wieder zum Vorschein kömmt) nie ganz schön zu bewerkstelligen. 
Als grosscr Künstler brachte freilich Palladio eine Art von Har- 
monie hinein. Die strenge Einfachheit seines Details, die beständige 
Berechnung der Theile auf das Ganze bringt bei ihm immer einen 
zwingenden Eindruck hervor. 
In Betreff des Innern belebt er die Anordnung der frühern Re- 
naissance durch einen imposanten Organismus von kräftigen Gliedern, 
namentlich Ilalbsiiulen, und durch Verhältnisse, welche die einzig 
Wahren scheinen, so lange man sie vor Augen hat. Auch hier herrscht 
Eine Ordnung. Durch ausdrückliche Verfügung des Meisters oder 
durch einen glücklichen Zufall blieben diese Kirchen ohne Vergoldung 
und Bemalung. (Irgend eine decorative Gliederung der Gewölbe möchte 
Palladio doch wohl beabsichtigt haben.) 
a Die Kirche S. Giorgio maggiore in Venedig, herrlich isolirt 
der Piazzetta gegenüber gelegen, ist das friihste dieser Gebäude (he- 
gonnen 1560). Schon von aussen bilden Kirche, Querschiü, Thurm 
und Kloster eine malerische Gruppe. Der Eindruck des Innern ist 
besonders schön und feierlich, Die Hauptordnung hat, wie gesagt, 
Halbsäulen; die von ihr eingefassten Bogen ruhen auf Pilastern; unter 
der ganz einfachen Kilppel treten dann auch in der Hauptordnung 
Pilaster hervor; in den Seitenschiifen eine kleinere Ordnung von Halb- 
säulen. Die Querarme schliessen im Halbrund. Der Durchblick in 
den hintern Mönchschor durch eine schöne Siiulenstellung mit geradem 
Gebälk ist durch die darüber gesetzte Orgel verdorben.  Das Kloster 
mit seinem vielbewunderten Refectorium ist gegenwärtig als Caserne 
schwer zugänglich.  
b Die Fassade von S. Franeesco della Vigna (1568) wviederholt das 
1) Wesshalb die Alten sie klüglich unverziert Hessen. 
der Fortuna virilis in Rom. 
Siehe z. 
den Tempel
        

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