Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1075058
Paläste von Genua. 
Palladio. 
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Strada de' Giustiniani: Pal. Negrotto (jetzt Consulat von Buenos-a 
Ayres), mit einer trotz aller Vermauerung noch interessanten Disposi- 
tiou._ Erst aus dem vorigen Jahrhundert: PaLBalbi (Str. nuovissimab 
N. 16) von Gregorio Petondi, merkwürdig durch den auf unregel- 
mässigem und sehr unebenem Terrain um jeden Preis erstrebten per- 
spectivischen Effekt der Halle und Treppe, welche als Brücke quer 
über den Hof geht;  Pal. Penco, nahe hinter S. Pietro in Banchi, 
mit trefflich perspectivisch gedachtem Vestibul und einer stattlichen 
Treppe, welche nahezu den Hof ausfüllt;  Pal. Salvagi (jetzt Pi- 
nelli) bei Croce di Malta;  Pal. Defornari (Piazza S. Domenico); 
 Pal. Casanova (Via Luccoli) mit malerisch wirkendem Hofe; u. s. w. 
Den Beschluss dieser Reihe bildet der grossc Andrea Palladio 
von Vicenza (1518_ 1580). Kein Architekt des XVI. Jahrhunderts 
hat dem Alterthum eine so feurige Hingehung bewiesen wie er, keiner 
auch die antiken Denkmäler so ihrem tiefsten Wesen nach ergründet 
und dabei doch so frei producirt. Er beinahe allein hat sich nie an. 
einen decorativen Einzeleifekt gehalten, sondern ausschliesslich von der 
Disposition und von dem Gefühl der Verhältnisse aus seine Bauten 
organisirt. Michelangelo, von Welchem dasselbe in gleichem Umfange 
gilt, steht bei vielleicht höherer Anlage und bei grossaitigern Auf- 
gaben, wie z. B. die St. Peterskirche, doch unter der Botmässigkeit 
seiner eigenen Grillen; Palladio ist durch und durch gesetzlich. Et 
wollte in vollstem Ernst die antike Baukunst wieder in's Leben rufen, 
während Michelangelo nichts weniger im Auge hatte, als eben diess. 
Die antiken Reste gaben freilich keine Gesammtvorbilder gerade 
für das, was die Zeitgenossen von Palladio verlangten: für Kirchen 
und Paläste; letztere zumal mussten einen von allem römischen Pri- 
vatbau weit abweichenden Charakter tragen: den des Schlosses, der 
adlichen Residenz. Was Palladio bei seinem wiederholten Aufenthalt 
in Rom sich fruchtbringendes aneignen konnte, bestand daher weniger 
in dem Frontenbau, als in den innern Dispositionen und in der Glie- 
derung der Wände, hauptsächlich der innern. Er widmete vor Allem 
den damals noch wohl erhaltenen Thermen das emsigste Studium; 
keiner seiner Vorgänger hat die Grundrisse der antiken Trümmer so 
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