Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074910
Vignola. 
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Die Bauten Miehelangelols, der mit der goldenen Zeit begann und 
durch seine spätere Willkür schon den ganzen Baroekstyl einleitete 
und zu rechtfertigen schien, wurden bereits aufgezählt. Vbn den zu- 
nächst zu nennenden Baumeistern Waren mehrere seine unmittelbaren 
Schüler und Executanten, andere seine Anhänger, alle mehr oder we- 
niger von ihm berührt. Man darf sie darob bewundern, dass sie 
seine Extravaganzen noch nicht mehr im Sinne eigener Willkür aus- 
beuteten. 
An ihrer Spitze steht GiaeomoBarozzi von Vignola (1507-1573), 
dessen Handbuch der Säulenordnungen (Frattato degli ordini) die Ar- 
chitektur der letzten zwei Jahrhunderte völlig beherrscht hat und noch 
jetzt stellenweise einen grossen Einfluss ausübt, nachdem seit hundert 
Jahren die echten griechischen Ordnungen bekannt und abgebildet 
sind. Als ausübender Künstler begann er mit einigen Bauten in B0- 
logna; ailsser den oben (S. 208, e) genannten Banehi wird eine Casaa 
Bocchi und in dem nahen Minerbio ein Palazzo Isolani genannt, über 
dessen Vorhandensein ich keine Kunde habe.  Sein frühster Colossal- 
bau, der Pal. Farnese in Piaeenza, ist interessant als eines der erstenb 
Gebüude, in welchen durchaus kein herrsehendes Einzelmotiv vor- 
kömmt, sondern nur die Verhältnisse sprechen, und zwar beim ein- 
fachsten Detail, das überdiess nur stellenweise wirklich ausgeführt 
ist. Die Abstufung der Stockwerke ist der (allerdings nicht genügende) 
Gehalt des ilngeheuern Gebäudes, Welches übrigens nicht zur Hälfte 
vollendet und jetzt eine Caserne ist. 
In Rom hatte er grossen Antheil an der prächtigen Villa, Welche e 
Papst Julius III (1550-15435) an der Via Flaminia baute und die 
noch jetzt als Vigna di Papa Giulio benannt wird. Wer die 
Urheber und Erfinder der einzelnen Motive dieses ehemals grossen 
Ganzen sind, lässt sich nicht mehr ausrnitteln; Vasari, der an mehrern 
Stellen (in den Biographien des Taddeo Zuechero zweimal und in der 
Übersicht seiner eigenen Werke) davon spricht, schreibt die Haupt- 
ideen dem baulustigen Papste zu, sich selber aber die Redaction der- 
selben; diese habe "Michelangelo durchgesehen und verbessert, Vignola. 
aber bloss ausgeführt; aussehliesslieh von ihm (Vasari) sei der Ent- 
wurf zu dem Brunnen unten (d. h. im hintern Hof), Welchen dann 
Vignola und Ammanati ausführten. Abgesehen von seinen Urhebern
        

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