Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074898
S. Peter in Rom. 
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Ausserdem drückte Bernini auch dem Innern durch die von ihm 
hineingesetzten plastischen Werke (und mittelbar durch die Nach- 
ahmungen seiner Schüler und Nachfolger) ganz entschieden seinen 
Stempel auf. Leider blieb es dabei nicht; er bekleidete die Pfeiler 
der Seitenschiife mit jenen Engeln, welche Papstbüsten, Tiaren etc. 
tragen, mit jenen pamfilischen Tauben u. s. W. auf buntem hflarmor- 
grund; er War es auch, Welcher die vier Kuppelpfeiler mit jenen 
kläglichen Nischen und Loggien versah, welche diesen wichtigsten 
Theilen des Gebäudes Einfachheit und Nachdruck rauben. Die vier 
Statuen mussten entweder wegbleiben oder gigantisch gross (und dann in 
andern: Styl l) gebildet werden; gegenwärtig sind sie viel kleiner als die 
drüber an den Zwickeln der Kuppel angebrachten Evangelisten inMosaik. 
Es ist eine alte Klage, dass S. Peter innen kleiner aussehe, als 
es wirklich ist. Ich weiss nicht, ob Jemand, der ohne diess Vor- 
urtheil zum erstenmal hineintritt, d_ie Kirche nicht doch ungeheuer 
gross finden würde; jedenfalls hängt viel von der Beleuchtung und 
von der Menschenzahl ab. Am Ostermorgen weiss Jeder, dass er sich 
im grössten Binnenraum der Welt befindet. Auch in der Abenddäm- 
merung wachsen die Dimensionen, nicht nur weil (wie überall) das 
Einzelne verschwindet, sondern weil Farben und Vergoldung erblei- 
chen, welche bei Tage die betreffenden Flächen dem Auge nähern 
und damit kleiner scheinen machen. Was davon noch unter dem Ein- 
iluss Michelangelds zu Stande kam (wenn auch erst lange nach seinem 
Tode), nämlich die Mosaicirung der Kuppel und die Oassettirung der 
Tonnengevsrölbe, lässt sich architektonisch wohl völlig rechtfertigen; 
grell wirkt erst Berninits Incrustation und naturalistisch die Kuppel- 
mosaiken der Nebenräume, welche indess für die Wirkung des Ganzen 
nicht in Betracht kommen. Entschieden verkleinernd für das ganze 
Gebäude erscheint dann der Eifekt des entsetzlichen Tabernakels und 
der Cathedra Petri, beides Arbeiten des Bernini. Hier allein wird das 
Auge zu einer falschen Rechnung beinahe genöt-higt (S. 80). Die Weih- 
beckenengel, von welchen man gewöhnlich Spricht, täuschen nicht lange 
und nicht stark genug, um den Eindruck des Ganzen mit zu bestimmen. 
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