Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071642
Architektur. 
Römisch-tierische Tempel. 
ganz unverziert zu lassen. Ein weiterer Unterschied ist die jetzt iib- 
liche Bedeckung des Innern mit einem cassettirten Tonnengetvölbe, 
während man doch aussen den griechischen Giebel, d. h. den Ausdruck 
eines Ba1kendaches,beibehielt. Wahrscheinlich brachte man, wie einst im 
Dach des griechischen Tempels, so hier im Gewölbe eine grosse Licht- 
öifnung an, ohne welche die Beleuchtung ganz zweifelhaft bliebe; Sei- 
tenfenster finden sich fast nirgends. Echt römisch ist endlich die Zer- 
theilung der Wandfiächen durch einwärtstretende Nischen und die Er- 
richtung einer hintern Hauptnische für das Bild der Gottheit; dieses 
ganze Nischenwerk aber muss man sich bekleidet und umgeben den- 
ken von besondern Säulenstellungen mit Gebälken und Giebeln, wo- 
durch die ganze blauer ein prachtvoll abwechselndes Leben erhielt und 
die griechische Ruhe total einbiisste.  Das Dach der Vorhalle be- 
stand wie bei den griechischen Tempeln aus Steinbalken verschiedener 
Lagen und verschiedenen Ranges, deren Zwischenräume mit Stein- 
platten zugedeckt waren. Allein die Durchführung ist eine andere als 
in den (sehr wenigen) erhaltenen Beispielen der griechischen Zeit; von 
der Balkenlage wird nur eine Reminiscenz beibehalten und die ganze 
Innensicht des Daches als erwünschter Anlass zum Aufwand von Or- 
namenten benützt. Die Untenseiten der Balken bekommen Reliefarabes- 
ken, ihre Zwischenräume werden zu reich profilirten Cassetten, welche 
grosse, gewaltig wirksame Rosetten enthalten. 
Mit der dorisehen Ordnung hatten die Römer entsehiedenes 
Unglück. Sie wollten die ernsten Formen derselben mit den leichten 
Verhältnissen der ionischen verbinden und fielen dabei nothwendig in 
das Magere und Dürftige. In Rom selbst ist kein dorischer Tempel 
amehr erhalten; an den zwanzig Säulen in S. Pietro in vincoli näm- 
lich, welche vom Tempel des Quirinus entlehnt sein sollen, ist die ur- 
sprüngliche Höhe fraglich und die Capitäle sind modern.  Das 
einzige Beispiel, welches eine ungestörte Anschauung des Römisch- 
b Dorischen giebt, möchte Wohl in der Vorhalle des Hereulestempels 
zu Oora (drei Stunden von Velletri) bestehen; Lage, Material und 
Ernst der Formen (so übereinfach sie sein mögen) sichern diesem Ge- 
bäude noch immer eine grosse Wirkung. Dasselbe wird etwa. in die
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.