Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074815
S. Lorenzo. 
Römische Bauten. 
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etwas weniger halsbrechend gefährlich sein.  Das Ganze hat wohl 
einen bestimmten Sinn, der sich deutlicher aussprechen würde bei 
vollendetem Oberbau. Der Künstler hat mit allen, auch den ver- 
werüichsten Mitteln das Gefühl des Strebenden hervorzubringen ge- 
sucht; wir wissen aber nicht mehr, was er damit wollte. Eine baldige 
Nachahmung blieb nicht aus 5 Ammanati stellte Säulen in enge Wand- a 
nischen an der Fassade der Jesuitenkirche S. Giovannino; Giov. da. 
Bologna an den WVänden seiner eigenen Gruftcapelle hinten in derb 
Annunziata u. s. w. . 
Das Gebäude der Laurenziana selbst ist wieder baulich einfache 
und würdig, und wenn hier das Detail der Verzierung wirklich, wie 
man annimmt, von Michelangelo angegeben ist, so besass er im 
Kleinen den feinsten Schönheitssinn, den er im Grossen der Bizarrerie 
aufopferte. Die holzgesehnitzte Decke, deren edles und reiches Ver- 
zierungsmotiv sich in der Zeichnung des Backsteiubodens wiederholt, 
soll „nach seiner Idee" von Tasse und Caroto, das einfach classische 
Stuhlwerk von Ciapino imd del Cinque, die bloss zweifarbigen lichten 
Arabesken der Fenster, wie oben bemerkt, von Giov. da Udinc aus- 
geführt sein. Die Thür, eines der ersten Beispiele perspectivischen 
Scheinreichthiuns durch Verdoppelung der Glieder, ist erweislich von 
Michelangelo. 
Seine römische Thätigkeit ging zum Theil mit Plänen verloren, 
die nicht ausgeführt wurden. (Entwurf zu einem Palast für Julius III 
an der Ripetta, fünf Pläne für S. Giovanni de' Fiorentini, welche 
sämmtlich nicht mehr vorgefunden wurden, als im vorigen Jahrhun- 
dert die jetzige Fassade, von Galilei, zur Ausführung kam. U. a. m.) 
Doch sind ausscr dem Bau von S. Peter, den er erst nach 1546 über- 
nahm, einige Bauten von ihm ausgeführt vorhanden, Welche die Grösse 
und Richtung seines Geistes gerade an sehr verschiedenen Aufgaben 
dart-hun. 
Von ihm ist zunächst am Pa]. Farnese das bewnndernswürdiged 
grosse Hauptgesinlse (dessen WVirkung er vorher durch hölzerne Mo- 
delle erprobte) und die beiden untern Stockwerke des Hofes. Diese 
imposantesten Palasthallen Rom's sind, Wie ohne Mühe zu erkennen 
ist, den beiden untem Ordnungen des Marcellustheaters fast genau 
nachgebildet, nur dass die Metopen mit Waffen und der ionische Fries
        

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