Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074711
Palconetto. 
321 
Wie aus Trotz gegen den venezianischen Engbau sind dieseKir- 
chen in eolossalem Massstab angelegt. Miissiger verfuhr in dem zur 
Provineialstadt gewordenen Padua der Profanbau, welcher sich hier 
in den ersten Jahrzehnden des XVI. Jahrhunderts hauptsächlich an den 
Namen des Veronesers Giov. Maria Falconetto (1458-1534) 
knüpft. Was er am Pal. del Capitaniato gebaut hat, möchte sicha 
etwa in Betreff der Fassade gegen den Signorenplatz auf die mittlere 
Pforte mit dem Uhrthurm, in Betreff derjenigen gegen den Domplatz 
(jetziges Leihhaus) auf das obere Stockwerk über der (mittelalterlichen) 
Bogenhalle beschränken; beides keine Bauten von höherm Belang. So- 
dann gehören ihm mehrere Stadtthore: P. S. Giovanni, P. Savona-b 
rola etc. Das erstgenannte (1528) ahmt, aussen mit Halbsäulen, innen 
mit rohgelassenen Pilastern, die Form eines einfachen antiken Triumph- 
bogens nach, selbst in der Anordnung der Fenster 1). Die Kirche delle c 
Grazie, Welche ihm zugeschrieben wird (unmöglich mit Recht) ist cin 
geringer Barockbau; die kleine Musikhalle, die er gebaut haben soll, 
1a Rotonda genannt, habe ich nicht erfragen können 2). 
Weit das Schönste, was Faleonetto hinterlassen hat, findet sich 
am Palast Giustiniani, ehemals Cornaro, beim Santo, N. 3950. 
Der Hof dieses von Aussen unscheinbaren Gebäudes wird von zwei 
im rechten Winkel stehenden Gartenhäusern laegrünzt (datirt 1523),d 
die noch im äussersten Verfall jenen unzerstörbaren Charakter der 
Lustgebaude des goldenen Zeitalters an sich tragen. Das eine mit 
Wandsäulen, das andere mit Pilastern in zwei Stockwerken; jenes 
einen ohern und einen untern Saal, dieses ein köstliches achteckiges 
Gemach mit Nischen, ein paar Nehenräume, und oben eine oifenc Log- 
gia enthaltend; die Räume grossentheils voll der herrlichsten Malereien 
und Araheskcn (S. 288, e). Der Geist des wahren Otium cum dignitate, 
der in diesen Räumen lebt, wird freilich heutzutage so selten, dass 
ein volles Verständniss des Gebäudes eine gewisse Anstrengung er- 
1) Die übrigen Tlmrc von Padua sind etwas früher, z. B. Porta S. Groce undä 
Porta Livia von 1517; Porta Portello soll von Gugl. Bergamasco sein. 
z) Einen wunderlichen Rundbau  breiter Umgang mit Nischen um ein ganz im 
schmales Kuppelchcn auf acht Säulen  findet man allerdings in Gestalt der 
Kirche S. Maria del Toresino; noch aus dem XVI. Jahrhundert mit Aus- 
nahme der Fassade. 
B. Ciccr0ne_ 21
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.