Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074589
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Hochrenaissance. 
Bramuntws Nachfolger. 
ganz besonderer Bedeutung. Die runde Form (vgl. S. 303) sollte sich 
an diesem so kleinen Bau in den verschiedensten Graden und Ab- 
sichten wiederholen und spiegeln, als Hauptrunde des Kernbaues, des 
Umganges, des grössern Porticus, als Kuppel, dann als Nische des 
Innern, des Äussern, der Porticuswand und selbst der Portieuscapellen 
 Alles streng zu einem Ganzen geschlossen. Das Nischenwerk der 
bisherigen Renaissance erscheint gegen diese systematische Aufnahme 
und Erweiterung altrönnischcn Thermen- und Palastbaues gehalten 
wie ein blosser befangener Versuch. 
Ohne dass sich eine eigentliche Schule an Bramante angeschlos- 
sen hätte (Womit es sich in der Baukunst überhaupt anders verhält 
.als in Sculptur und Malerei), lernten doch die Meister des XVI. Jahr- 
hunderts alle von ihm. Ganz besonders hatte er in dem Grundriss 
von S. Peter, den man (was Kuppelraum und Kreuzarme betriift) viel- 
fach änderte aber nie völlig Iimstiess, ein Programm grandiosen Pfei- 
lerbaues mit Nischen aufgestellt, wonach alle Künftigen sich zu achten 
hatten. Die toscanische Schule, mit all ihren bisherigen Kuppeln und 
Gewölbekirchen, war hier durch ein neues System der Massenbelebung, 
ein neues Verhältniss von Nischen und Eckpilastern iiberflügelt; sie 
hatte sich noch immer stellenweise auf den Säulenbau verlassen; Bra- 
mante gab ihn im Wesentlichen auf.  
Seine Pfeiler mit Pilastern, wenigstens an Aussenbauten, sind viel- 
leicht die einfachsten, welche die Renaissance gebildet, ohne Canne- 
lüren, mit nur sehr gedämpftem Blattwerk etc. der Capitäle; und 
wenn die Schönheit in der vollkommenen Harmonie des Einzelnen 
zum Ganzen besteht, so sind sie auch die schönsten. 
Allein schon die nächsten Nachfolger begnügten sich damit nicht 
gerne. Sie behielten aus der frühem Renaissance die Wandsäulen, 
wenigstens zur Fensterbekleidung bei, auch wohl zur Wandbekleidung. 
Demgemäss traten dann auch die betreffenden Gesimse weit und stark- 
schattig hervor. Man vergass zu leicht das, wovon der grosse Meister 
allein ein völlig klares Bewusstsein scheint gehabt zu haben: dass näm- 
lich einem abgeleiteten, mittelbaren Styl wie dieser, sobald die Zeit 
der naiven Decoration vorüber ist, nur die gemessenste Strenge und
        

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