Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071616
Bogen und Gewölbe. 
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S0 kommt es nun, dass der Reisende, auf- einen einigermassen 
vollständigen Anblick wenigstens der Bruchstücke antiker Tempel, 
Thermen und Paläste gefasst, durch scheinbar ganz formlose Ziegel- 
haufen enttäuscht wird. So schön die Ziegel namentlich des ersten 
Iahrhmiderts gebrannt, so sorgfältig sie auf eiuandergeschiehtet sein 
mögen, so glühend ihre Farbe in der Abendsonne wirken mag, bleibt 
es eben doch ein bloss zufällig zu Tage getretener innerer Kern ehe- 
maliger Gebäude, den einst, als das Gebäude vollständig war, kein 
Auge erblickte, weil ihn eine leuchtende I-Iülle und Schale umgab. Wir 
werden im Folgenden sehen, auf welche NVeise sich das einigermassen 
forsehimgsfühige Auge entschädigen kann. 
Bekanntlich brachten die Römer zu den entlehnten griechischen 
Formen aus der etruskisehen Baukunst den Bogen und das Ge- 
wölbe hinzu, letzteres als Tonnengewölbe (wie ein gebogenes Blatt), 
als Kreuzgewölbe (zwei sieh schneidende Tonnengewölbe) und als Kup- 
pel. Schwere und Druck verlangen sog. Widerlager, welche entweder 
durch verhäiltnissmässige Dicke der Mauer oder durch Strebepfeiler 
an den dem stärksten Druck ausgesetzten Stellen dargestellt werden 
müssen; die Römer liessen es im Ganzen bei dicken Mauern bewen- 
den (Vergl. das Pantheon).  "Wie man sieht, handelte es sich um 
ganz neue Aufgaben. Die griechischen Säulen, Gebälke und Giebel, 
ursprünglich auf einen wesentlich andern Kernbau "berechnet und nur 
ihrer schönen Wirkung Wegen beibehalten, mussten nun die römischen 
Bauten Uaecompagniren" helfen, wenn uns dies Wort erlaubt ist. Man 
zog Siiulenreihen vor den Blauem, Halbsäulenreihen an den Mauern  
sowohl im Innern als am Äussern  hin; man gab den hlatierpfei- 
lern (Anten) und den Pilastern überhaupt dieselben Capitäle wie den 
Säulen, nur zur Fläche umgebildet; man stellte Peristyle als Eingangs- 
hallen bisweilen sehr unvermittelt vor ein Gebäude von beliebiger Form; 
man liess das griechische (iesimse ohne Unterschied über Säulenreihen 
oder ltfauermassen  geradlinige oder runde  dahin laufen. Kein 
Wunder, dass sein fein abgewogener eonstruetiver Sixm, dass die Filme 
von Andeutungen auf das Ganze, dem es einst gedient, verloren gin- 
gen und dass man sich mit mögliehster Pracht der decorßfivßll 
Ausbildung zufrieden gab.
        

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