Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074572
Vatican. 
S. Pietro in Montorlo. 
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nen jene colossale Nische mit Halbkuppel, über welcher sich ein halb- 
runder Säulengang mit tempelartigen Schlussfronten hinzieht. Sie ist 
wohl factisch nur eine Schlussdecoration, allein sie könnte der feier- 
lichste Eingang zu einem neuen Bau sein. (Die Aussennischen des 
alten Roms, S. 56 Amn.) Am untern Ende des Hofes entspricht ihr ge- 
wissermassen eine nur unvollständig ausgeführte Exedra. 
Endlich ist die schöne flache Wendeltreppe am Belvedere I) nachü 
Bramanteis Plan ausgeführt; in der Mitte auf einem Kreise von immer 
acht Säulen ruhend, die von den schwerern zu den leichtem Ordnun- 
gen übergehen. 
Von dem grossen Tribunal- und Verwaltungsgebäude, welchcsb 
Julius II durch Bramante wollte ausführen lassen, sind noch Anfänge 
von Mauern des Erdgeschosses an mehrern Häusern der Via Giulia 
sichtbar. Nach der sehr derben Rustica der gewaltigen Steinblöcke zu 
urtheilen, hätte der Palast einen wesentlich andern Charakter als alle 
bisher genannten erhalten. 
Was Bramante für einen Antheil an dem jetzigen Bau von S. Pe ter 
hatte, wird bei Anlass lilllichelangelds zu erörtern sein.  Nur ein 
Kuppelbau ist in Rom nach seinem Plan ausgeführt: das runde Tem-c 
pelchen, welches im Klosterhof von S. Pietro in Montorio die 
Stelle der Kreuzigung Petri bezeichnet; ein schlanker Rundbau, unten 
mit dorischem Umgang und zwölf kleinern Nischen, innen mit vier 
grössern und mit dorischen Pilastern; das Obergeschoss innen und 
aussen einfach, die Kuppel als Halbkugel; zu unterst eine Crypta. 
Allein die Absicht Bramanteis wird erst vollständig klar, wenn man 
Weiss, dass rings um dieses schöne Gebäude nur ein schmaler freier 
Raum und dann ein runder Porticus von viel grössern Säulen beab- 
sichtigt war; die vier abgeschnittenen Ecken hätten dann vier Gapel- 
len gebildet. Der Meister wollte also sein Tempietto aus einer be- 
stimmten Nähe, in einer bestimmten Verschiebung, eingefasst (für das 
Auge) durch Säulen und Gebälk seines Porticus betrachtet wissen. 
Es wäre somit das erste Denkmal eines ganz durchgeführten per- 
spectivischen Raffinements.  Auch dasvNischenwerk ist hier von 
i) Der eine Eingang, den man sich an den Tagen des nichtöffentlichen Besu- 
ches kann öffnen lassen, ist in der Nähe des Meleager. 
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