Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074521
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Hochrenaissance. 
Grossräumigkeit. 
Rirderlich. Bei diesem Anlass muss zugestanden werden, dass manche 
Bauherren an Material und Baufestigkeit zu ersparen suchten, was 
sie an Raumgrösse aufwandten. Vielleicht haben die beiden folgen- 
den Jahrhunderte im Ganzen solider gebaut als das XVI., das ihnen 
an künstlerischem Gehalt so weit überlegen bleibt. 
Erst mit dem XVI. Jahrhundert wird der Aufwand an Raum und 
Baumaterial ein ganz allgemeiner; es beginnt jene allgemeine Gross- 
räumigkeit, auch der bürgerlichen Wohnungen, jener weite Hochbau 
der Hallen und Kirchen, welcher schon aus technischen Gründen den 
Wölbungen und Kuppeln den definitiven Sieg über die Säulenkirche 
verschafft und auch an profanen Gebäuden die Pfeilerhalle in der 
Regel an die Stelle der Säulenhalle setzt. (Das XVII. Jahrhimdert 
verfolgt diese Neuerung noch weiter, bis in die Übertreibmig).  Diess 
hindert nicht, dass auch in kleinen Dimensionen, bei beschränktem 
Stoff und iiusserst bescheidener Verzierung bisweilen Unvergängliches 
geleistet wurde. Ein mitwirkender, doch nicht bestimmender Umstand 
zu Gunsten des Pfeilerbaues war das Seltenwerden disponibler anti- 
ker Säulen, welches z. B. schon früher in Rom den Pintelli (Seite 194) 
zur Anwendung des achteckigen Pfeilers veranlasst zu haben scheint. 
Vollends so grosse antike Säulen, wie sie zu dem jetzigen Baumass- 
stab gepasst haben würden, gab man nicht mehr her oder hob Sie 
für einzelne Prachteffecte im Innern auf, für Verzierung von Pforten, 
Tabernakeln u. s. w.  Ausserhalb Roms blieb namentlich in Florenz 
der Säulenbau weit mehr in Ehren; wir werden sehen aus welchen 
Gründen.  
Die Wahl der Formen im Grossen war jetzt noch freier als im 
XV. Jahrhundert. Wenn nur etwas Schönes und Bedeutendes zu 
Stande kam, das der Bestimmung im Ganzen entsprach, so fragte der 
Bauherr nach keiner Tradition; es war in dieser Beziehung ganz 
gleich, ob eine Kirche als Basilica, als gewölbte Ellipse, als Achteck 
gestaltet wurde, ob ein Palast schlossartig oder als leichter durch- 
sichtiger Hallenbau zu Stande kam. Der moderne Geist, der damals 
nach jeder Richtung hin neue Welten entdeckte, fühlt sich zwar nicht 
im Gegensatz gegen die Vergangenheit, aber doch wesentlich frei 
von ihr.
        

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