Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074419
Rom. 
Venezianische Decken. 
291 
Gegenständen in naturalistischem Styl überladen, die am wenigstena 
an ein Gewölbe gehören. Eine Menge einzelner Prachtcapellen an Kir- 
chen geben den Beleg hiezu.  Blosser Stucco, und noch sehr schön, 
an den Treppengewölben im Palast der Conservatoren auf dem Capitol. 
Wenn hier der allgemeine Verfall der Gattung sich in den nach- 
rafaelisehen Gängen der Loggien von Pontificat zu Pontiiicat urkundlich 
verfolgen lässt, so hat die bloss gemalte Arabeske in Rom vielleicht 
nicht einmal diejenige Nachblüthe aufzuweisen, die Poccetti für Flo- 
renz repräsentirt. Die Malereien in der Sala ducale des Vaticans, in b 
der vaticanischen Bibliothek, in der Galeria geografica ebendaselbstc 
sind den florentinischen kaum gleichzustellen und interessiren mehr 
durch die Ansichten römischer Gebäude und die Landschaften des 
Matthäus und Paul Bril, welche Wenigstens in der Geschichte der 
Landschaft eine bestimmte Stelle einnehmen.  Von Cherubino Alberti 
und seinem Bruder Durante ist zu wenig vorhanden; die Decke der 
Cap. Aldobramlini in der Minerva verräth einen sehr tüchtigen De-d 
corator; ebenso die der Sagrestia de' Canonici im Lateran. 
Im Ganzen aber unterliegt die römische Arabeske zu sehr dem 
Sachlichen, den geschichtlichen und symbolischen Zuthaten, und ver- 
liert darob ihre Heiterkeit. Wie sollte sie z. B. in der Gal. geograficae 
zwischen der ganzen Kirchengeschichte (in den Bildern des Tempesta) 
mit ihrem echten Spiel aufkommen können? Rafael hatte in den Log- 
gien so weislich das Heilige von der Arabeske getrennt gehalten. 
Auch in Venedig war bald von der Decoration, wie sie noch in 
der Scala d'oro und in den oben (S. 288, d und e) genannten paduani- 
sehen Werken lebt, grundsätzlich keine Rede mehr. Man gewöhnte sich 
daran, die Gewölbe weiss zu lassen (Kirchen Palladids) die flachen 
Decken aber mit grossen Oelgemäilden zu überkleiden. (Räume des Do- 
genpalastes seit den Bränden von 1574 und 1577, Scuola di S.R0cc0, viele f 
Sacristeien, kleinere Kirchen etc.) Die Zweckmässigkeit von Decken- 
gemälden überhaupt und den hohen WVerth mancher der betreffenden 
insbesondere zugegeben, bedurfte es doch eines idealen Styls, um selbst 
die idealen allegorischen Scenen erträglich zu machen, geschweige 
denn die schwer auf dem Auge lastenden historischen. Statt dessen 
19?
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.