Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071584
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Architektur. 
Korlnthi sehe Ordnung. 
mässig verziert, die Voluten auf den Seiten mit schuppenartigem Blatt- 
werk bedeckt, ihre Spiralen schwunglos und mathematisch, die Deck- 
platte überreich) 1].  Das Gebälk ist leicht und der Säule gemäss 
gestaltet; der Architrav in drei übereinander hervortretende Riemen 
getheilt; der Fries ohne Unterbrechung durch Triglyphen zu fortlaufen- 
den Reliefs eingerichtet; alle Zwischenglieder und alle Theile des Ober- 
gesimses zart und reich gebildet. (An den römischen Überresten wohl 
ebenso prachtvoll aber lebloser.) 2] 
Endlich schuf noch die griechische Kunst das korinthische Ca- 
pitiil. An den Bauten Griechenlands selbst können wir dasselbe nur 
in seinen Anfängen nachweisen, Anfänge, die freilich Grösseres ver- 
heissen als es später rmter römischer Hand wirklich erfüllt hat. (Die 
sog. Laterne des Demosthenes, richtiger: das choragischc Denkmal des 
Lysikrates in Athen.) 
Indess haben die Römer diese Ordnung mehr geliebt und richti- 
ger verstanden und behandelt als die beiden andern, ja wenn man die 
Trefflichkeit der korinthischen Formen am Pantheon und am Tempel 
des Mars Ultor neben der sonstigen Thiitigkeit so zahlreicher griechi- 
scher Künstler im damaligen Rom in Erwägung zieht, so wird auch 
wohl der Gedanke erlaubt sein, dass hier noch eine ziemlich unmittel- 
bare griechische Tradition, wenigstens stellenweise zu uns spricht. 
Form, Verhältnisse,-Dichtigkeit der Stellung hat die korinthische 
Säule im Ganzen mit der ionischen gemein; Basis und Cannelirimgen, 
wo diese sich vorfinden, sind dieselben. Das Capitäl aber bildet einen 
runden Kelch, der mit zwei Reihen von Akanthusblättern ringsum be- 
kleidet ist. Aus diesen Blättern spriessen Stengel hervor, aus welchen 
1) In Rom, z. B. an der späten und sehr schlechten Restauration des Vespa- 
sianstempels und in Pompeji an vielen Bauten begegnet man einem ionischen 
Capiläl, welches statt der beiden Seitenvoluten vier Eckvolilten hat; gewiss 
eine secundäre und nicht eben glückliche Schöpfung. 
z) Da zu wenige römisch-ionisclnc Bauten erhalten sind, so urtheilen wir hier 
nach Fragmenten, welche allerdings auch von korintliischen Bauten herst-am- 
men mögen; allein beide Ordnungen stimmen mit Ausnahme des Capitäls bei 
den Römern überein.
        

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