Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071574
Ionische Ordnung. 
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Neben der dorischen Ordnung entwickelte sich als deren schönstes 
Gegenbild die ionische; anfänglich in andern Gegenden entstanden, 
auch wohl für gewisse Zwecke vorzugsweise angewandt, wurde sie 
doch mit der Zeit ein völlig frei verwendbares Element der griechi- 
schen Gesammtbauklmst. Leider ist in den griechischen Colonien Ita- 
liens kein irgend beträchtlicher Ueberrest echter ionischer Ordnung 
erhalten und die römischen Nachahmungen geben bei aller Pracht doch 
nur ein diirftiges, erstarrtes Schattenbild von dem Formgefiihl und dem 
feinen. Schwung des griechischen Vorbildes.  Die Grundlage ist im 
_Wesentlichen dieselbe, wie bei der dorischen Ordnung, die Durehbil- 
dung aber eine verschiedene. Die ionisehe Säule ist ein zarteres Wesen, 
Weniger auf den Ausdruck angestrengten Tragens als auf ein reiches 
Ausblühen angelegt. Sie beginnt mit einer Basis von zwei Doppel- 
wulsten, einem weitern und einem engem, deren inneres Leben sich 
durch eine schattenreiche Proülirung verräth. (An den römischen Über- 
resten entweder glatt oder mit reichen, aber beziehungslosen Orna- 
menten bekleidet). Ihr Schaft ist viel schlanker und weniger stark 
verjüngt, als der dorischc; seine Ausbauchung ein eben so feiner Kraft- 
messer als bei diesem. Die Cannelirungeil nehmen nicht die ganze 
Oberfläche des Schaftes ein, sondern lassen schmale Stege zwischen 
sich, zum Zeichen, dass sich die ionischc Säule nicht so anzustrengen 
habe, wie die dorische. (An den römischen Ueberresten fehlen hier 
wie bei allen Ordnungen die Cannelirnngen oft, ja in der Regel; mit 
grßssem Unrecht, indem sie kein Zierrath, sondern ein Wesentlicher 
Ausdruck des Strebens sind und auf die bewegte Bildung des Capi- 
tiils und Gesimses nothwendig vorbereiten.) Das ionische Capitiil, an 
den alten athenischen Bauten von unbeschreiblicher Schönheit und Le- 
bendigkeit, setzt über einem verzierten Hals mit einem Echinus an; 
dann aber folgt, wie aus einer weichen, ideal-elastischen Masse gebildet, 
ein oberes Glied, gleichsam eine Bliithe des Echinus selbst, die auf beiden 
Seiten in reich gewellten Voluten (Schnecken) hernicderquillt und sich, 
von vorn gesehen, in zwei prächtigen Spiralen aufrollt. Die Deck- 
platte, welche bei einer ernsten, dorischen Bildung dieses ganze reiche 
'Leben tödten würde, ist nur als schmales, verziertes, ausgeschwunge- 
nes Zwischenglied zwischen das Capitäl und das Gebälk hineingescho- 
ben. (An den römischen Überresten: Hals und Echinus schwer und
        

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