Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071562
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Architektur. 
Tempel von Pästum. 
nus, welche letztere durch eine ganz eigenthümliche Zusammenziehung 
(Hohlkehle) am Oberende des Schaftes zwar erklärt, aber auch durch 
das Grelle des Überganges um so viel fühlbarer wird. Diese gewal- 
tige Breite des Echinus zieht dann eine verhäiltnissmässige Vergrös- 
serung der Deckplatte nach sich. (Die Intervalle der Deekplatten sind 
etwa gleich der Hälfte ihres Durchmessers.) Zu der geringem innern 
Kraft der Säule passt dann ganz gut der schmalere Architrav. Statt 
der Triglyphen und Metopen, welche von besserm Stein eingesetzt 
waren, sieht man jetzt fast bloss deren leere Lücken. An den einst 
her-abgestürzten und in neuerer Zeit wieder aufgesetzten Giebeln ist das 
Obergesimse mit vertieften Cassetten verziert, die das Alter zum Theil 
sogar durchlöchert hat. Von der Cella ist wenig mehr erhalten, als 
die Grundmauern.  
Noch deutlicher erscheint die Ausartung des dorischen Styles in 
ader sog. Basiliea. Trotz auffallender Abweichungen, wie z. B. die 
ungerade Neunzahl der Säulen an den beiden Fronten, ist diese Ge- 
bäude ebenfalls ein Tempel gewesen; Gestalt, Lage, Stufen, Enge des 
Raumes im Innern lassen den Gedanken an eine andere Bestimmung, 
wie z. B. die der Basiliken wvar, gar nicht aufkommen. WViederum 
sind die Säulen stark geschwellt und von dem sehr weichen imd run- 
den Eehinus durch eine ähnliche Hohlkehle getrennt wie am Ceres- 
tempel. Von dem Gebiilke ist ein schmaler Architrav ganz erhalten, 
theiliveisci auch ein stark zurüektretender Fries, an welchem ohne 
Zweifel scnlpirte Triglyplien und Metopen aus besserm Stein ange- 
nietet waren (oder werden sollten, denn mit der Vollendung solchen 
Tempelsehmuckes verhielt es sich nur zu oft wie mit dem Ausbau un- 
serer gothisehen Kathedralen.)  Innen beginnt die Cella mit einer 
Vorhalle von drei Säulen und zwei Mauerpfeilern (Anton), welche 
letztere, als stärkstes Merkmal der Entartung, die Verjüngung sowohl 
als die Ansehwellung der Säulen mitmachen; auch ihr Capitäl- eine 
Hohlkehle  ist von gefühlloser Bildung.  Im Innern steht auffal- 
lender Weise eine Säulenreihe der mittlern Axe des Gebäudes ent- 
lang; drei Säulen sind ganz, von zweien die Capitäle erhalten. WVelchen 
Zweck und welche Bedachung man sich dabei vorzustellen habe, lässt 
sich um so weniger entscheiden, da. dieser Innenbau vielleicht nicht 
einmal der ursprüngliche ist.
        

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