Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1074013
Parma. 
FEITHIHÄ 
Venedig. 
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Venedig besitzt einen ungemeinen, aber einseitigen Reichthum 
an Ornamenten dieses Styles. Zwar liess es der gediegene Pracht- 
sinn an weissem und farbigem Marmor, an Stoffaufwand aller Art 
nicht fehlen, sodass die äussere Aufforderung, schön zu bilden, so 
stark war als in Florenz imd Rom. Allein sei es die grössere Ent- 
fernung von den römischen Alterthümern, sei es das Bewusstsein, 
dass der Besteller doch nur Pracht und Glanz zu würdigen verstehe 
 das Ornament kömmt nur in einzelnen Richtungen zu wahrhaft 
hoher Blüthe. Ihm fehlte auch die rechte Pflegemutter: die strengere 
Architektur, welche den Sinn für Verhältnisse im Grossen wie 
im Kleinen wach gehalten hätte. 
Man muss hier das Ornament weniger an einzelnen Praehtarbei- 
ten, an Gräbern und Altiiren aufsuchen; die vornehmern Gräber gehen 
nämlich schon frühe über die blosse Nischenform hinaus und werden 
grosse, ausgedehnte, selbst triumphbogenartige Wandarchitekturen mit 
Säulenstellungen und Statuen, neben welchen die Arabeske nur gleich- 
sam in den Kauf gegeben wird; auch die Altäre nehmen eine mehr 
umständliche architektonische Bildung an. Während aber so die Zier- 
denkmäler zu Bauten werden, bleibt gerade die eigentliche Architektur, 
wie wir sahen, in ihrem "Wesen decorativ, und so findet sich das Wich- 
tigste von Arabesken hauptsächlich an der Aussenseite der Gebäude. 
Der aufmerksame Beobachter wird bald bemerken, dass die bloss 
vegetabilischen, hauptsächlich für Friese passenden Arabesken im 
Schwung der Zeichnung und in der zugleich zarten und kühnen Re- 
liefbehandlung den grossen Vorzug haben vor den mehr figürlichen, 
einen aufwärts strebenden Stamm umspielenden, welche anderweitig 
die Ilauptverzierung der Pilaster sind. Es scheint, als hätte die 
Schule der Lombardi diese gefühlt; sie gab wenigstens auch den 
Pilastern sehr oft blosses Rankenwerk, ohne jene Schilde, Vasen, 
Greifen, Ilarpyjen, Tiifelchen, Putten u. s. w. Später, zu Anfang des 
XVI. Jahrhunderts, folgen dann auch treffliche Pilasterbekleidungen 
der letztern Art, allein nur um bald einer öden Manier Platz zu 
machen. Im Ganzen ist man sich nur wenig klar darüber, dass tra-. 
gende Glieder anders deeorirt werden müssten als getragene. Unter 
den bessern, an Gebäuden vorkommenden Arabesken sind etwa 
beispielshalber folgende zu bezeichnen.
        

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