Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071556
Tempel von Pästum. 
5 
ses wunderbaren Baues ausmacht, bezeichnen können. Obwohl eines 
von den besterhaltenen Denkmälern seiner Art, verlangt er doch ein 
beständiges geistiges Restauriren und Nachfühlen dessen was fehlt und 
dessen, was nur für die aufmerksamste Pietät noch sichtbar ist. Wie 
ganz anders würde er auch zum äussern Auge sprechen, wenn er noch 
mit allen Sculpturen seiner Giebel und Metopen, mit den Dachzierden 
(Akroterien) von Laubwerk und Statuen, mit den Löwenköpfen des 
Iiranzgesimses, mit dem jetzt so fraglichen Farbenschmuck, innen aber 
mit dem Bild Poseidows und den Weihgeschenken geretteter Seefahrer 
geschmückt wäre! Unsere Vorstellung von Kunstvermögen der Grie- 
chen steigert er aber schon in seinem jetzigen Zustande auf das höchste. 
Vielleicht blickt ein scharfes Auge die einzelnen Seiten im Profil 
entlang und findet, dass keine einzige mathematisch gerade Linie an 
dem ganzen Bau ist. Man wird zunächst an ungeschickte Vermessung, 
an die Wirkung der LEh-dbeben und Anderes der Art denken. Allein 
wer z. B. sich der rechten Ecke der Vorderseite gegenübersteht, so 
dass er das obere Kranzgesimse der Langseite verkürzt sieht, wird eine 
Ausbeugung desselben von mehrern Zollen entdecken, die nur mit Absicht 
hervorgebracht sein kann. Und Ähnliches findet sich weiter. Es sind 
Äusserungen desselben Gefühls, welches die Anschwellung der Säule 
verlangte und auch in scheinbar mathematischen Formen überall einen 
Pulsschlag innern Lebens zu offenbaren suchte. 
Die beiden andern dorisehen Tempel von Piistum sind aus einer 
Viel SPäfwm, ausgearteten Epoche der dorischen Baukunst, die man 
der Zeit nach vielleicht in das III. Jahrhundert v. Chr. verlegen 
kann. Der Eindruck ist indess immer ein solcher, dass sie ohne die 
Nachbarschaft des Poseidonstempels zu den herrlichsten Bauten des 
italischen Festiandes gehören würden. Sie sind weniger gut erhalten, 
besitzen aber wenigstens den ganzen äussern Säulenkranz und Archi- 
trave ohne Unterbrechung. 
An dem sog. Cerestempel fällt zunächst eine abweichende Bil-a 
dung der Säule auf, welche wie aus weicherm, minder elastischem 
Stoffe geschaffen scheint. Dies drückt sich aus in der viel stärkern 
Ausbauchung des Schaftes und in der breitvvuistigen Bildung des Echi-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.