Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071542
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Architektur. 
Tempel von Pästum. 
Quadern den kirchenbauenden Normannen zum Raub. Doch ist die 
innere Vorhalle, zwei Säulen zwischen zwei Mauerpfeilern (Anten) er- 
halten. Diese letztem sind als Thcil der Mauer behandelt, also weder 
cannelirt, noch verjüngt, noch geschwellt, doch deutet ein eigenes Ca- 
pitäl, welches bedeutsam mit dem Echinus der Säulen contrastirt, auf 
ihre Theilnahme am Tragen hin. 
Von den Steinbalken und deren vertieften viereckigen Zwischen- 
feldern (Cassetten), welche den Raum zwischen Siiulenhalle Imd 
Tempelmauer bedeckten, ist nichts mehr erhalten. Das Gebälk der 
Siiulenhalle scheidet sich, auch von innen gesehen, in Architrav und 
Fries, nur dass lezterer hier glatt ist. Am Gebälk der Cella dagegen, 
soviel davon vorhanden ist, hat der Fries seine Triglyphen und Me- 
topen, nur niedriger als am Aussenbau. 
Das Innere des Hciligthums erhielt einst sein Licht durch eine 
grosse Dachöifnung, ohne welche die fensterlosen griechischen Tempel 
durchaus dunkel gewesen wären. An den bedeutender-n Tempeln wurde 
gleichsam als Einfassung und Stütze dieses offenen Daches eine innere 
Säulenordnung angebracht, und zwar eine doppelte, weil einfache do- 
rische Säulen allzu gross und dick hatten gebildet werden müssen im 
Verhältniss zu dem so beschränkten Raum. Die Bauten der höchsten 
Blüthezeit scheinen meist eine untere dorische und eine obere ionisehe 
Ordnung gehabt zu haben, zu deutlicher Scheidung der in einander 
iiberleitenden Kräfte. Hier dagegen ist auch die obere Ordnung do- 
risch imd dabei noch von etwas ungeschickter Bildung, als wäre die 
kleine obere Säule unmittelbar die durchs Zwischengesims hindurch- 
gehende Fortsetzung der grössern untern; überdiess wirkt der breit aus- 
einander gehende Echinus der kleinen Säule nicht gut i). 
Nur in dürftigen Andeutungen haben wir das, was die Seele die- 
4) Ausserdem ist zu bemerken: An der Aussenseite kommt jede zweite Trigly- 
phe mitten über eine Säule zu stehen, gegen die Ecken hin aber werden die 
Metopen breiter , so dass die Triglyphe auf die Ecke rücken kann. Im In- 
nern besteht das Gesimse zwischen den beiden Ordnungen aus einem blossen 
Architrav mit Hohlkehle, da ein Fries, als Sinnbild des Decken-Randes, hier 
nicht am Platze wäre. Das Gesimse über der obern Ordnung besteht eben- 
 falls aus einem ähnlichen Gliede, allein wir wissen nicht, was einst noch dar- 
über lag und wie der Dachrand ansetzte.
        

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