Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073663
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Prührenaissance. 
Venedig. 
Kirchen. 
ein ganz malerisches Interieur gewährt. Höfe sind entweder nicht vor- 
handen oder ohne Belang 1). 
Das Innere der Kirchen ist je nach der Aufgabe sehr verschieden. 
_a Die älteste des betreffenden Styles ist wohl unliiugbar S. Zac- 
caria, begonnen 1457 (von Einigen dem hlartixio Lombardo zu- 
geschrieben). Der Chorbau ist noch zum Theil gothisch, Umgang und 
Capellenkranz von gleicher Höhe damit. Die gewölbten drei Schiffe 
ruhen auf Säulen über hohen geschmückten Piedestalen, der Chor nach 
Art einiger romanischen Kirchen auf Siiulengruppen. Im Detail wagt 
hier die Frührenaissance höchst unsichere und barocke Formen. 
(Wulste der Säulen, mittlere Simse des Capellenkranzcs u. s. w.) 
-Die Fassade ist mit Ausnahme des Erdgeschosses wohl um mehrere 
Jahrzehnde neuer; in ihren vielen Stockwerken und runden Abschlüs- 
sen zeigt sie zuerst jene nur in Venedig so ausgebildete 3) Schreiner- 
phantasie, welche die Bauformen aus reinem Vergnügen an ihrer Wir- 
kung vervielfacht, ohne sie zum Ausdruck von Verhältnissen zu be- 
nützen. Diese Wirkung aber, erhöht durch das Material und ein 
grosses decoratives Geschick, ist für den flüchtigen Blick eine sehr 
angenehme. 
1, Nahe mit diesem Bau verwandt, nur einfacher, ist S. Michele 
(1466), welches hlarthids Sohn, M ero L ombardo, angehört. Flach- 
gedeckte Siiulenkirehe , schon vorn durch einen fast gleichzeitigen 
Lettner unterbrochen; hinten drei 'l'ribunex1 ohne Umgang. An der 
Fassade ist ausser den runden Abschlüssen die unbeholfene Rustica- 
bekleidung bemerkenswerth, eine ilorentinische Anleihe. 
c Es folgt das kleine Juwel unter den venezianischen Kirchen: 
S. Maria de' miracoli, 1480 unter Mitwirkung des Pietro Lom- 
bardo erbaut. Es dauert eine YVeile, bis das von einem nallerliebst" 
zu nennenden Eindruck beherrschte Auge sich gesteht, dass der bau- 
i 
1) Bei diesem Anlass ist vorläufig auf Pal. Pisani an Campo S. Stefano hinzu- 
weisen, welchcr zwar von Renaissance nicht mehr als die Zw-ischenhalle sei- 
ncr beiden Höfe besitzt, als vollständigszcr Privatbau der BHFOCISZCÜI aber 
von Interesse ist. Die grossen Scllilflaternen in den unlern Ilallen dieser und 
anderer Paläste simlEhrenzeichen des Seecommandzfs der Inhaber. 
i) Vielleicht durch kleinliche Römerbauten, wie Porla de? Borsari in Verona, 
geweckle.
        

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