Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073650
Decorativer Charakter. 
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damalige Venedig an einzelnen überaus netten decorativen Effecten 
zu Nutz und Frommen des jetzigen Platz sparenden Privatbaues. Die 
Composition im höhern Sinn, nämlich nach Verhältnissen, ist an Kir- 
chen und Palästen meist null, aber das Arrangement geschickt und die 
Phantasie reich und durch kein Bedenken gehemmt. Das Änssere 
wird an Kirchen und Palästen mit zwei, drei Ordnungen von Pila- 
stern bekleidet, ohne dass man sich auch nur die Mühe nähme, die 
obern Ordnungen durch grössere Leichtigkeit zu charakterisiren, oder 
einen Gegensatz in den Flächen auszudrücken (S. Maria. de" miracoli, 
Seitenfronte der Seuola di S. Marco etc). An den Hauptfassaden sind 
die Pilaster wohl mit Arabeslzen oder mit Nischen ausgefüllt, eannelirt, 
in der Mitte durch Scheiben von rothem oder grünem Marmor unter-' 
brechen u. dgL; überall sonst haben sie ihr eigenes vertieftes Rahmen- 
profil, Welches ihnen die Bedeutung einer Stütze, eines Repräsentan- 
ten der Säule benimmt und sie selber zum blossen Rand eines Rahmens 
um das hetreffeilde Mauerfelrl macht. Von einem nothwendigen Grad- 
verhältniss zwischen der Pilaster- und der Friesdeeoration trifft man 
kaum eine Ahnung. Für den obcrn Abschluss der Kirchenfassaden 
erlaubte man sich fortwährend die fröhliche runde Form in verschie- 
denen Brechungen; seit dem Bau von S. Marco war die venezianische 
Baukunst daran gewöhnt und hatte auch in der gothischen Zeit da- 
mit barock genug zu schalten gewusst.  Auch an den Palastfassaden 
behielt man die bisherige Anordnung (Seite 155) bei, nur im neuen 
Gewande. Die schöne Wirkung der offenen Loggien in der Mitte der 
Ilauptstockwerke ist nicht das Verdienst des neuen Styles, sondern 
das einer alten Sitte. Die zwischen den Fenstern, Thüren, Gesimsen 
und Pilastern übrigbleibenden Plliichen Wurden mit bunten Steinschci- 
ben in symmetrischer Zusammenstellung, an den Kirchen auch wohl 
mit Nischen, Sculptnren n. s. w. ausgeschmiickt. 
Im Innern sind die Paläste grössern Theils verbaut; was von 
Treppen and Sälen einigen Eindruck macht, ist durchgängig spätem 
Ursprunges. Das Erdgeschoss ist weder entschieden als blosser Sockel- 
bau, noch als mächtiges Grundstockwerk behandelt, und diese Halb- 
heit raubt natürlich der untern Halle jede höhere architektonische 
Bedeutung, wenn sie auch  in Verfall und Verkommenheit  oft
        

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