Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073541
204, 
Frührenaissauce. 
Piacenza. 
P3111118. . 
ser aus Anschauung kennt, besteht aus S. Sisto in Piacenza, 
S. Giovanni in Parma (1510) und der Steccata in Parma (1521), die 
beiden letztern (und wohl gar auch die erstere) von Bern ardino 
aZaccagni aus Torchiara. Die älteste ist S. Sisto 1); für die moderne 
Fassade entschädigen zwei gute ionische Kreuzgänge. Das Innere ist 
von glänzend naivem Reichthum der Disposition und Ausführung; 
eine Säulenkirche mit Tonnengewölben und zwei Querschiifen, über 
deren Mitte Kuppeln; die Seitenschiife mit lauter kleinen Kuppel- 
gcwölben; seitwärts davon Capellen in Nischen auslaufend, welche 
indess von aussen durch eine gerade Mauer maskirt sind. Von ganz 
besonders seltsamer Composition sind die beiden Schlusscapellen des 
vordern Querschüfes: griechische Kreuze auf vier Säulen ruhend, mit 
Iiuppelchen und vier Eckrälmachen, an den Enden Hauptnischen, in 
den Eckräumen kleinere Wandnischen, und diese Alles so klein, dass 
lfman sich kaum darin drehen kann.  S. Giovanni in Parma, hat 
eine ähnliche Disposition, doch lauter Pfeiler (von schöner schlanker 
Bildung) und nur Ein Querschiff; ausserdem (links) zwei prächtige 
Klosterhöfe mit bemalten Bogenfüllungen und Friesen (die Fassade 
cmodern).  La Steccata endlich bildet ein einfaches griechisches 
Kreuz mit runden Abschlüssen, Mittelkuppeln und vier etwas niedri- 
gern Eekriiumen, welche zu besondern Capcllen abgeschlossen sind. 
(Die Verlängerung des Chores neuer.) Es ist eine der schönsten, 
Wohlthuendsten Baumassen, welche die neuere Kunst geschaffen hat, 
übrigens von aussen wie alle diese Kirchen möglichst einfach; die 
einzige reichere Form ist die Galerie um die Kuppel. 
Die gemeinsamen Eigenschaften dieser Kirchen sind nun 1) Eine 
Wahrhaft prächtige architektonische Bemalung aller Bauglieder des 
Innern, theilweise auch der Bauflüchen, wie denn in S. Sisto der 
ltlries über den Hauptbogezi durch eine ganze hohe Attica mit lauter 
allegorischen Malereien grau in grau vertreten ist. (Von dieser Be- 
malung unten ein Mehreres.) 2) Eine merkwürdig schlechte Beleuch- 
1) In divscr Kirche befand sich ehemals die berühmte Madonna di S. Sisto, 
welche daher den Namen der Sixtinischen führt. (In Dresden.) Als Schluss 
der schönen Kirche, in dem treftlichen Licht, w-elchvs jetzt die Copie gemesst 
musste sie eine einzige Wirkung machen.
        

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