Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073432
38.0010 Pintelli. 
193 
entwerfen, was aus der zweiten Hälfte des XV. Jahrhunderts in Rom 
auf unsere Zeit kommen sollte 1). 
Baccio War vielleicht ein geübter Techniker, allein keiner von den- 
jenigen Künstlern, welche die neue Formenfreiheit genial und schön 
zu handhaben wussten. Sein wichtigstes Werk, die Kirche S. Ago-a. 
stino, ist in Betrelf des Innern ein ziemlich nüchterner Versuch 
hohen Gewölbebaues auf Pfeilern mit kleiner Kuppel, wobei er wie 
Brunellesco die untern Wände in Nischen auflöste. Mit der phanta- 
sievollen Aimunziata von Arezzo könnte dieses (iiberdiess unangenehm 
beleuchtete) Gebäude keinen Vergleich aushalten. An der Fassade 
macht sich jene bei Alberti zuerst bemerkte Verbindung des obern 
Stockwerkes mit den hervorragenden Theilen des untern auf eine recht 
üble Weise bemerklich; die beiden Voluten haben nämlich die Ge- 
stalt eines colossal vergrösserten Winkelblattes des ionischen Oapi- 
täls.  An S. Maria del Pop olo ist die Fassade oben umgebaut,b 
sonst aber schlicht und gut; das Innere, hier ein Pfeilerbau mit Halb- 
säulen, von jeher etwas gedrückt, hat durch moderne Verkleisterung 
allen höhern baulichen Reiz verloren, und die acht-eckige Kuppel kann 
gegen die sonstige breite Masse nicht mehr aufkommen.  Einer 
kleinem Aufgabe, wie S. Pietro in Montorio, genügte Baccioc 
recht wohl; dieses Kirchlein, einschifüg gewölbt, mit Querschilf, Ca- 
pellen als Wandnischen und polygonem Chorabschluss, bildet ein sehr 
tüchtiges Ganzes und würde mit der ursprünglichen Decoration einen 
trefilichen Effect machen.  Beim Bau der sixtinischen Capelled 
lag vielleicht ein bindendes Programm und die Rücksicht auf die schon 
vorhandenen vaticanischen Bauten vor; sonst liesse" sich schwer den- 
ken, dass für die päpstliche Hauskirche eine so absolut schlichte Form 
gewählt worden wäre.  Mehrere ältere Kirchen sind von Baccio 
mit Fassaden versehen worden; so S. "Pietro in Vincoli, SS. Apo-e 
st oli. Er berief sich vielleicht auf die mittelalterliche Kirche S. Sabaf 
oder auf das frische Beispiel von S. Marco und legte eine gewölbte 
Doppelhalle vor die Kirche, mit weitgespannten Rundbogen, unten auf 
achteckigen Pfeilern, oben auf Säulen. Diess macht zwar keinen kirch- 
 An S. Giacomo degli Spagnuoli (M50) ist nur noch das reiche Portal bc-m 
merkenswerth, bei S. Snlvawre in Lauro der aus derselben Zeit stammende M 
graziöse Klosterhof, beides anonyme Werke. 
B. Cicerone.  13
        

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