Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073228
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Renaissance. 
Entwürfe. 
flächen einen solchen Reiz aus, selbst wenn sie nur mit leidlichen, 
widerspruchslosen Einzelformen verbunden ist. Ja, les werden Auf- 
gaben gelöst, Elemente der Schönheit zu Tage gefördert, welche in 
den beiden einzigen streng organischen Stylen, dem griechischen und 
dem nordisch-gothischen, nicht vorkommen, und sogar nicht vorkom- 
men konnten. Was insbesondere die Renaissance, sowohl die frühere 
als die spätere, in dieser Beziehung Grosses geschaffen hat, soll im 
Folgenden" kurz angedeutet werden. 
Natürlich blieb auch in der Blüthezeit der Renaissance das Beste 
und Grossartigste unausgefiihrter Entwurf. Wir erfahren durch Nach- 
richten, auch Wohl durch Zeichnungen wclchegdie grösste Sehnsucht 
rege machen, wie Brunellesco einen grossen Palast für die Mediceer, 
Rosellino eine neue Peterskirche sannnt Umgebung und Residenz, Bra- 
mante einen neuen Vatican entwarf, zahlloser anderer Projekte der 
grössten Meister nicht zu gedenken. Die Sammlung der Handzeich- 
anungen in den Ufüzien enthält von dieser Gattung wenigstens einiges 
vom Wichtigsten. Für Architekten, welche mit der oft nur andeutenden 
Ausdrucksweise des Zeichners, namentlich mit den perspeetivischen 
Halbansichten von Interieurs rasch vertraut sind, hat die Besichtigung 
derselben einen grossen Werth. Eine facsimilirte Herausgabe des Besten 
würde sich gewiss lohnen. 
Noch eine andere Quelle kann uns das Bild dieses Styles ergänzen 
helfen. So reich auch eine Anzahl besonders kleinerer Gebäude mit 
dem heitersten Schmuck ausgestattet ist, deren Venedig vielleicht die 
zierlichsten enthält, so konnten doch Marmor und Erz nicht alle Phan- 
tasien verwirklichen, denen sich die decorativc Neigung des XV. Jahr- 
hunderts hingab. 'Wer auch diese Phantasien keimen lernen will, be- 
trachte die in vielen damaligen Bildern dargestellten Baulichkeiten; 
sie sind bunt, überladen, bisweilen unmöglich, und doch nicht nur oft 
von grossem Reiz, sondern auch zur Kenntniss des Baugeistes jener 
Zeit unentbehrlich, wobei nicht zu vergessen ist, dass viele Maler 
zugleich Baumeister waren. Mantegna und seine ganze Schule ist 
sehr reich an Hintergründen von Hallen mit Reliefs; von den Ferra- 
resen ahmte ihn Mazzolino hierin mit Übertreibung nach; Pinturicehio
        

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