Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073217
Ihre Mängel. 
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Einzelne grossc Befangenheiten hängen selbst den ilorezitinischen 
Baumeistern an. Die Ecken ihrer gewölbten Räume z. B. bedurften 
entweder gar keiner besondern Form oder aber eines vertretenden 
Pfeilers, auf welchem dann die von beiden Seiten herkommenden Bo- 
gen, die Träger des Gewölbes ruhten; wenigstens eines abschliessenden 
Pilasters. Statt dessen schlug man oft einen Mittelweg ein und liess 
einen ganz schmalen Pfcilerrand mit einzelnen Bestandtheilen eines 
Capitüls aus der Ecke hervorgucken. Ueber die äussere Bekleidung 
der Kirchen, abgesehen von der Fassade, ist man erst spät ins Klare 
gekommen. Die Profilirung hat lange den Charakter der Willkiflr und 
trifft das Wahre und Schöne mehr durch unbewussten Takt als ver- 
mögc eines Systems. In der Behandlung der Kranzgesimsc kommen 
unglaubliche Schwanlniulgen vor. An den venezianischen Bauten geht 
bisweilen durch die grösste Pracht ein auffallender Mangel an organi- 
schen Gedanlgen hindurch. Das Gefühl für schöne Verhältnisse der 
Flächen zu einander, für schöne Contraste ihrer Bekleidung (durch 
Rustica, Pilaster u. s. w.) macht gar" oft einer blossen eleganten Ein- 
rahxmuig Platz, die alle vier Seiten mit demselben zierlichen Profil 
umzieht und sich weiter um nichts kümmert; so z. B. an manchen 
oberitalischen Bauten, u. s. w. 
An allen Enden oiienbart sich der Hauptxnsngel dieses ganzen 
Styles: das Unorganisch e. Die Formen drücken nur oberflächlich 
und oft nur zufällig die Functionen aus, welchen die betreffenden 
Bautheile dienen sollen. Wer aber auf dem Gebiet der Baukunst nur 
in dem streng Organischen die Schönheit anzuerkennen vermag, hat 
auf dem italischen Festlande mit Ausnahme der Tempel von Pästum 
überhaupt nichts zu erwarten; er wird lauter abgeleitete und schon 
desshalb nur wenig organische Style voriinden. Ich glaube indess, 
dass es eine bauliche Schönheit giebt, auch ohne streng organische 
Bildung der Einzelformen; nur dürfen letztere nicht widersinnig ge- 
bildet scin, d. h. ihren Functionen nicht geradezu widersprechen; es 
darf z. B. nicht das Schwere auf das Leichte gesetzt, nicht das cou- 
structiv Unmögliche durch künstliche Mechanik erzwungen werden. 
Wo ein Reiz für das Auge vorliegt, da liegt auch irgend ein Element 
der Schönheit; nun übt offenbar ausser den schönen, strengen Formen 
auch eine gewisse Vertheilung der Grundflächen (Räume) und XVand-
        

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