Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073206
170 
Renaissance. 
Verhältniss zum Stoß". 
in jeder Beziehung Mustergültiges hervorzubrmgen; von ihrem unver- 
gänglichen relativen Werth wird weiter die Rede sein. 
 Es lässt sich voraussehen, dass die Renaissance noch lange in 
der heutigen Architektur eine grosse Rolle spielen wird. Durch ihren 
scheinbaren Mangel an Ernst empfiehlt sie sich für jede Art von 
Prachtbekleidnng; man glaubt mit ihr durchzukommen ohne irgend 
eine Consequenz mit in den Kauf nehmen zu müssen. Ich verkenne 
daneben nicht die erfolgreiche Bemühung geistvoller Architekten, die 
Formen der Renaissance zu reinigen, sie namentlich mit der griechi- 
sehen Profilbildung in Zusammenhang zu bringen. Und wenn, ein Vor- 
bild fiir Bauten, wie sie unser Jahrhundert bedarf, rückwärts und 
auswärts gesucht werden soll, so hat dieser Styl, der allein ähnliche 
Aufgaben ganz schön löste, gewiss den Vorzug vor allen andern. Nur 
suche man ihm zuerst seinen Ernst und dann erst seine spielende 
Zierlichkeit abzugewinnen. Man ergriinde vorzüglich auch sein Ver- 
hiiltniss zum Material; der gewöhnliche Baustein spricht sich eigen- 
thiimlieh kräftig aus; einen bestimmten Ausdruck des Reiehthums 
wird man dem IMarmor, einen bestimmten dem Erz, einen andern dem 
Holz, und wiederum einen verschiedenen dem Stueco zugemuthet fin- 
den ; und zwischen all diesem bleibt noch ein besonderes Gebiet für 
die Malerei unverkiirzt übrig. Äusserst beherzigenswverth bleibt es, 
dass kein Stoff sich für etwas ausgiebt, was er nicht ist. Es giebt 
z. B. keine falsche, von Mörtel nachgeahmte Rustica vor den mittlern 
Jahrzehnden des XVI. Jahrhunderts; wer in den guten Zeiten der 
Renaissance nur mit Mörtel zu bauen vermag, gesteht es zu und be- 
gnügt sich mit der Derbheit der steinernen Fenstergowandungen und 
Gesimse. Aufgemalte Rustica kommt freilich schon frühe vor, al- 
lein dann in rein deeorativem Sinne, nicht mit der Absicht zu täu- 
aschen. (Ein sehr frühes Beispiel, vielleicht noch aus dem XIV. Jahr- 
hundert, am Palast Conte Bardi in Florenz, via del fosso, N. 187). 
Sie ist auch ganz anders behandelt als das, was etwa an modernen 
Häusern von dieser Art (mit Schlagschatten etc.) hingemalt wird.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.