Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073183
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Die Ursprünge der modernen Baukunst und Decoration, bei Wel- 
chen wir dem innern Werthe und den Architekten zu Gefallen etwas 
umständlicher verweilen Wollen, heissen in der jetzigen liunstsprache 
die Renaissance. Schon die betreffenden Künstler selbst glaubten 
an eine mögliche XVicdergeburt der ganzen antiken Architektur und 
meinten diesem Ziele Wirklich sich zu nähern; in der That aber be- 
kleideten sie nur die von ihnen selbst geschaifenen Compositionen mit 
den antiken Detailformen. Die römischen Baureste, so grosse Begei- 
sterung ihnen im XV. Jahrhundert gewidmet wurde und so viel reich- 
licher als jetzt sie auch vorhanden waren, gaben doch für die Lösung 
der damaligen Aufgaben zu Wenige unbedingte Vorbilder. Für mehr- 
stöckige Bauten z. B. war man fast einzig auf die römischen Theater 
und auf das damals noch vorhandene Septizonium Severi (am Fuss 
des Palatin) angewiesen, welches letztere denn allerdings einen be- 
deutenden Einfluss ausübte; für Prachtbekleidimg von Mauern fand 
man nichts Besseres vor als die lüiumplibogen. Von irgend einer 
Unterscheidung der Epochen war noch nicht die Rede; man nahm das 
Alterthum als Ganzes zum Muster und berief sich auf das Späteste 
wie auf das Frühste. 
Es wird bisweilen bedauert, dass Brunellesco und Albßfßi nicht 
auf die griechischen Tempel statt auf die Bauten von Rom stiessen; 
allein man vergisst dabei, dass sie nicht eine neue Compositionswcise 
im Grossen, sondern nur eine neue Ausdrucksweise im Einzelnen von 
dem Alterthunl verlangten; die Hauptsache brachten sie selbst mit 
und zu ihrem Zweck passten gewiss die biegsamen römischen Formen 
besser.
        

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