Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1073097
Loggia. de' Lanzi. 
Pisa. 
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wir wieder demjenigen Raum- und Formgefühl, Welches S. Maria 
novella, S. Croce und den neuen Dom von Siena schuf. Der Ort, WO 
die Obrigkeit ihre feierlichsten Functionen vollzog, wo sie vor dem 
Volk auftrat und mit ihm redete, in einer Zeit, da die Florentiner 
sich als das erste Volk der Welt fühlten  eine solche Räumlichkeit 
durfte nicht in winzigem und niedlichem Styl angelegt werden. Mög- 
lichst Wenige und dabei grossartige Motive konnten allein der "lllaje- 
stiit der Republik" einen richtigen Ausdruck verleihen. Die einfache 
Halle von drei Bogen Breite umfasst einen ungeheuern Raum, mit ge- 
waltigen Spannungen, ilber leicht und originell gebildeten Pfeilern; 
ihr Oberbau hat unabhängig von antiken Vorbildern gerade diejenige 
Form getroffen, Welche für Auge und Sinn die hier einzig wohlthuende 
ist: über breiter Attica tüchtige Consolen und eine durchbrochene 
Balustrade. 
Von dem als Kornspeicher erbauten Ors anmicchele ist schon 
oben (S. 144) die Rede gewesen. 
Die Thore von Florenz, meist aus dem XIII. Jahrhundert, über-a 
raschen durch den mächtigen Ernst der Construction, die Grösse der 
Pforte und die Höhe des stadtwärts schauenden Bogens.  Nebst den 
meisten andern italienischen Stadtthoren dieser Zeit entbehren sie der 
überragenden Seitenthürme, welche hiiuiig an deutschen Stadtthoren 
vorkommen; in Italien z. B. am Arco delP Annunziata zu Lucca, anb 
der interessanten Porta della Vacca in Genua, an einem andern Bin-c 
ncnthor daselbst, etc. Die wenigen daran angebrachten Decorationen 
durchgängig solld und einfach; im Bogen gegen die Stadt Fresco- 
gemälde, die Mutter Gottes und die Schutzpatrone darstellend. 
In Pisa ist das Doganengebäude unweit der mittlern Brücke eind 
ernsterer steinerner Zierbnu, das jetzige Caffe delP Ussero gegenübere 
am Lungarno ein leichterer baeksteirlerner (XIV. Jahrhundert, mit 
einzelnen Veränderungen der Fenster im Renaissancestyl). Die Flä- 
chen, wie sie sich durch die Einrahmung mit. Pilastern, Bogen etc. 
ergaben, sind ganz naiv mit gothisehem Blattwerk ausgefüllt, nach 
einem schon wesentlich modernen Gefühl. Einzelne Details von fein- 
ster Eleganz.
        

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