Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072985
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Gothische Architektur. 
Obarltal. Mendlcantenkirchen. 
Aussen ist durchgängig nur das Erdgeschoss ausgeführt; den obern 
Theilen fehlt die Incrustation, welche in reicher Form, theils in Stein, 
theils in Backstein beabsichtigt war. Die untern 'I'hei1e der Seiten- 
schiffe zeigen einfache Pfeiler und ziemlich reines Fensterstabwerk mit 
Ansätzen zu Giebeln. Die Fassade (von lillarmor) ist so wie sie aus- 
sieht nicht gut begonnen; ihre Wandpfeiler sind schräg proiilirt, die- 
jenigen gegen die Ecken hin sogar rund. Man ist auch nie recht 
damit zufrieden gewesen. 
a Ein Zimmer am Ende des linken Seitensehiifes, das auf Verlan- 
gen (am besten um Mittag) geöffnet wird, enthält mehr als 30 Ent- 
Würfe verschiedener, zum Theil hochberiihmtei- Architekten vom XV. 
bis zum XVII. Jahrhundert für eine Fassade von S. Petronio, grossen- 
theils in einem gothischen Styl, dessen Gesetze sie nicht mehr kannten. 
Man kann z. B. sehen, welche Begriffe sich Giulio Romano und Bal- 
dassar Peruzzi von der Gothik machten. So viel ich habe (bei schlech- 
tem Licht) sehen können, sind die Entwürfe in modernem Styl, z. B. 
von Alberto Alberti und Palladio, bei weitem erfreulicher. Eine ver- 
kleinerte Herausgabe in Umrissen würde sich gewiss lohnen. 
Die Bettelordenskirchen der Via Aemilia weichen über- 
haupt sowohl von den toscanischen als von den deutschen ab. Es 
sind ganze durchgeführte backsteinerne Gewölbekirchen mit Anbauten 
und Querhauten aller Art, hinten mit Chorumgang und aussen abge- 
rundetem Capellenkranz, dergleichen im Norden nur Hauptkirchen und 
vornehmere Klosterkirchen zu haben pflegen I). Obschon die Seiten- 
schiße nur etwa die halbe Höhe des Ilauptschißes haben, so ist doch 
in der Regel eine Fassade nach lombardischer Art vorn angesetzt, deren 
obere Ecken also blind sind. Die Stützen sind Rundsäivlen, achteckige 
Säulen, Pfeiler mit Säulen, Säulenbündel, je nach der Stärke des nor- 
bdischen Einflusses. (In den Servi zu Bologna wechseln runde und 
achteckige Säulen.) Der möglichst vielseitige Chorabschluss (aussen 
durch ebensoviele Strebebogen repräsentirt) macht eine bedeutende 
1) Letztere unterscheiden sich hier fast gar nicht von den Mcndicantenkirchen.
        

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