Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072963
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Gothische Architektur. 
Kirchenstaat. 
Südlich über Toscana hinaus begegnet man, hauptsäch- 
lich in Perugia und Viterbo, einer Anzahl kleiner gothischer Kirchen, 
welche selten mehr als ihre Fassade, etwa noch ihren einfachen Thurm 
in alter Form aufweisen. Ihre zum Theil hochmalerische Lage, ein- 
zelnes tiichtiges Detail und der Ernst des Materials machen ihren Werth 
aaus. (Ein besonderes zierliches Kirchleiu in Viterbo, unweit vom 
Palazzo Communale.) Sonst oifenbart sich an mehrern eine ganz wun- 
dcrliche Ausartung der Incrustation, welche nicht mehr einrahmend, 
auch nicht mehr schichtenweise, sondern schachbrettartlg, selbst ge- 
gittert zwischen rothem und weissem Marmor abwechselt. (So schon 
han S. Chiara in Assisi.) Am Dom von Perugia ist ein Anfang 
gemacht, dessen Durchführung das ganze Gebäude mit einem Teppich- 
muster würde überzogen haben. (Das Innere weiträumig, aber mit 
schwerem Detail, die drei Schiffe von gleicher Höhe, die Pfeiler acht- 
eckig.) 
c Das einzige gothische Gebäude Roms, S. Maria sopra Mi- 
nerva, begormen um 1370, repräsentirt einen damals längst besei- 
tigten Stand der baulichen Entwicklung und bleibt hinter der fast um 
100 Jahre ältern Sehwesterkirche S. Maria novella. zu Florenz beträcht- 
lich zurück. Die jetzige Restauration mit Stuckmarmor, Gold und 
Fresken wird die Kirche nur noch schwerer erscheinen lassen als 
sie in der weissen 'I'imche war. Ausserdem hat noch das Innere der 
d Capelle Sancta Sanctorum beim Lateran eine gothisirende Beklei- 
dung von gewundenen Säulchen mit Spitzbogen, um 1280 vermuthlich, 
von dem Cosmaten Adeodatus erbaut. Sie dient alten Malereien zur 
Einfassung.  Einzelne gothische Bogen und Bogenfriese kommen hin 
und wieder vor.  Von Klosterhöfen dieses Styles hat Rom meines 
eWissens nur die wenig bedeutenden bei Araceli.  Als Klosterbau 
fim Grossen ist S. Francesco zu Assisi (XIII. und XIV. Jahrhun- 
dert) unvergleichlich, weniger in Betreif der Höfe als der Aussenseite, 
welche mit ihren Substruetionen und Gängen wie eine Königsburg 
über der Landschaft thront. 
In sehr kennflichem Wetteifer mit den Florentmern begannen die 
gBolognesen 1390 die Kirche ihres Stadtheiligen S. Petronius, nach
        

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