Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072894
ll Santa in Padua. 
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wussten mystischen Drang zu der uralten vielkuppeligen Anlage? Un- 
terscheiden wollte man das Gebäude jedenfalls von andern Francis- 
canerkirchen. 
Es entstand keine glückliche Schöpfung. Die Fassade ist vielleicht 
die allermatteste des ganzen gothischen Styles. Im Innern kam das 
Hauptschiif auf lauter dicke viereckige Pfeiler zu stehen; nicht bloss die 
Kuppelträger, sondern auch die Zwischenstützen haben diese Form. Das 
Polygon des Chores zeigt wohl eine gewisse Ähnlichkeit der Verhältnisse 
mit demjenigen an den Frari, aber die Einzelbildilng ist aussen und 
innen ungleich geringer, der Umgang und Kapellenkranz roh in Entwurf 
und Ausführung. Immerhin mochte der Bau mit seinen damals niedri- 
gen Kuppeln, mit seiner (beabsichtigten oder durchgeführten) voll- 
ständigen Bemalung, mit einer Masse stylverwandten Schmuckes aller 
Art gerade den Eindruck hervorbringen, welchen die Andacht am 
Grabe des Heiligen vorzugsweise verlangte. Im XV. Jahrhundert erst 
baute man die Kuppelriiume, Welche bisher von aussen kaum sichtbar 
oder doch anspruchlos gestaltet sein mochten, zu eigentlichen Kuppeln 
mit Cylindern aus. Abgesehen von der eminent hässlichen Bedachung 
der mittlern Kuppel war diese ganze Neuerung überhaupt sinnlos. 
Die Kuppeln stehen einander nicht nur im WVege (für das Auge), son- 
dern sogar im Lichte und bilden schon von Weitem eine widerliehe 
Masse. Den einzigen möglichen Vortheil, den eines starken Oberlich- 
tes, hat man nicht einmal benützt. 
Später Wurde dann das ganze Innere mit Ausnahme weniger Capel- 
len iiberweisst und mit modernen Denkmälern angefüllt; ein Schick- 
sal, vor welchem S. Mareo gänzlich bewahrt geblieben ist. Der erste 
Eindruck ist durchaus weihelos und zerstreuend. 
Dagegen haben die vier Klosterhöfe einen imposanten Charakter 
durch die Höhe und weite Spannung ihrer Bogen; sie scheinen eher 
für Tempelritter als für Mendicanten gebaut. 
Über S. Margherita in Cortona, welches von Niccolö unda 
seinem Sohne Giovanni Pisano erbaut sein soll, vermag ich keine Aus- 
kunft zu geben. S. Domenico in Arezzo ist eine ganz geringe Kireheb 
Dem Giovanni allein gehört dann, wie bemerkt, wenigstens der 
Entwurf zu der prächtigen Fassade von Siena (S. 133), wonaehc 
er unter den Italienern der erste gewesen wäre, der sich mit der deco-
        

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