Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072878
Aufhören des Säulenbündels. 
Niccolö Plsano. 
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mit eingeklebten antiken Sämlen, immer zwei übereinander an der In- 
nenseite des Pfeilers; flache Decke. 
Einen weitern und bedeutenden Schritt thut inzwischen die tos- 
canische Baukunst mit der Umbildung des Siiulenbündels, den sie doch 
niemals nordisch lebendig formirt hatte, zum viereckigen, achteckigen 
oder runden Pfeiler. Erstere Form ist ohne Frage die schönere 
und reichere, letztere aber für den vorliegenden Fall die wahrere. 
Der Saulenbündel steht in engem Zusammenhang mit dem Schlanken 
und Engen nordischer Gothik; er ist nicht bloss das Correspondens 
von so und so viel Gewölbegurten und Rippen (die man ja zum Theil 
beibehielt), sondern ein wesentlicher Ausdruck des Strebens nach oben. 
Wo letzteres nicht als leitendes Princip galt, musste er dem Pfeiler 
weichen; immerhin aber behielt auch dieser noch eine Andeutung des 
Tragens verschiedener Lasten, in Gestalt von schmalem polygonen 
Trägern in den einwäirts tretenden Ecken. Statt eines eigentlichen 
Capitäls werden nunmehr zwei oder drei Blattreihen ganz schlicht um 
das obere Ende des Pfeilers auf allen vier oder acht Seiten (oder im 
Kreis, wenn es ein Rundpfeiler ist) herumgelegt; vorzüglich aber ge- 
winnt die Basis jetzt erst eine consequente Bildung. 
schon hier begegnen wir dem sonst hauptsächlich als Bildhauer 
berühmten Niccolö Pisano (geboren zwischen 1205 und 1207, lebte 
noch 1277), als einem Anfänger alles Grossen und Neuen. In seiner 
frühern Zeit muss er noch der romanischen Bauweise zugethan gewe- 
sen sein, wenn S. Nicola in Pisa von ihm ist; übrigens hätte era 
schon hier das nordische Princip der Verjüngung und Umgestaltung 
des Thurmes nach oben auf merkwürdige WVeise geahnt und nur sehr 
befangen ausgedrückt. (Rund, dann Achteck, weiter eine sechszehn- 
seitige Bogengalerie um einen runden Kern, endlich ein Sechseck.) 
Von seinen gothischen Bauten hat S. Trinita in Florenz schonb 
viereckige Pfeiler, deren Stellung jedoch mit Rücksicht auf die Capel- 
lenreihen rechts und links neben den Seitenschiifexi eine enge ist, so 
dass jeder Capelle ein Intervall entspricht. Sodann entwarf Niccolö 
11m 1250 die grosse Franciscanerkirche S. Maria de Frari in V e- c 
lledig. Das Misstrauen, welches man in seine Urheberschaft setzt,
        

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