Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072860
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Gothische Architektur. 
Dome von Orvieto und Neapel. 
Schönheit sind die Portale, ruhiger durchgeführt als die der grossen 
Fassade. Freilich übertrifft das einzige Seiten-Portal des Neubaues 
sie alle mit einander. 
Der Thurm, offenbar einer der ältesten Theile, macht keine künst- 
lerischen Ansprüche. Die Zunahme der Fensterbögen nach Stockwer- 
ken (von 1-6) ist der möglichst naive Ausdruck des alhnäiligen Leich- 
terwerdens der Masse. 
a Der Dom von Orvieto, innen eine imposante Säulen-Basilica 
mit sichtbarem verziertem Dachstuhl, edel gebildeten Fenstern, Quer- 
schiff und geradem Chorabsc-hluss, muss um seiner Fassade willen 
hier beim Domwon Siena erwähnt werden. Als Meister wird Lorenzo 
Maitani von Siena, als Gründungszeit das Jahr 1290 genannt. Die 
Fassade ist im besten Sinne des Wortes eine veredelte Reproduction 
derjenigen von Siena. Das plastische gothische Detail, mit welchem 
es doch nie ernstlich gemeint war, wird hier möglichst beschränkt 
und durch Mosaikverzierung und Reliefsculpturen ersetzt, d. h. die 
Fläche behält ihr südliches Vorrecht vor dem nur angelernten Schein- 
organismus. Wenige grosse ruhige Hauptformen genügen hier, um 
einen unermesslichen Reichthum von Farben und Gestalten schön zu 
umfassen. Auch alle rein baulichen Glieder, die Simse der drei Gie- 
bel, die wenigen Spitzthürmchen etc. sind ganz mit Mosaikmustern 
angefüllt, so dass diese Fassade das grösste imd reichste polychroma- 
tische Denkmal auf Erden ist. (Bis auf die Stufen und Prallsteine 
vor der Kirche.) Bei einer so starken Absicht auf materielle Pracht 
ist die Schönheit der Composition ein doppeltes Wunder. (Die Neben- 
fassaden und die Säulen im Innern haben abwechselnde weisse und 
dunkle Marmor-schichten. Edle Bildung der Bogenprofile und des Haupt- 
gesimses im Innern.) 
Einen schwachen Nachklang dieser dreigiebligen Anordnung ge- 
bwälhrte einst die Fassade des Domes von Neapel (1299), deren 
Nebengiebel jetzt durch Streben mit der höhern Mauer des Mit- 
telschiifes zu einer empfindlichen Unform verbunden sind. (Auch 
die Giebelsculpturen zum Theil modernisirt.) Im Innern Pfeilerbau
        

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