Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072838
Dom von Slena. 
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Gebäude Italiens, empfängt den Beschauer gleich mit einer Reihe von 
RäthseHragen, welche der-Verfasser so wenig als die meisten Andern 
zu lösen im Stande ist. Wurde die sechseckige Kuppel, welche oben 
zu einem total unregelmässigen, schief gezogenen Zwölfeck wird und 
ohnehin den Bau auf jede Weise unterbricht, zuerst (XII. Jahrhun- 
dert) gebaut? Wesshalb die schiefen und krummen Linien im Haupt- 
schiff und vollends die schiefe Richtung und die unregelmässigen Pfei- 
lerintervalle im ganzen Chor? hat man vielleicht auf vereinzelte Stücke 
Felsgrund mehr als billige Rücksicht genommen? Was war von der Un- 
terkirche San Giovanni vorhanden, als man den obern Chor begann? (Vgl. 
S. 103 if.)  Wie dem auch sei, es spricht sich in dem ganzen Gebäude 
der italienische Buusinn schön und gefällig aus. So besonders an 
den Aussenwänden der Seitensehiife; das Massenverhältniss der Fen- 
ster zu den Mauern (ein Begriii", welchen die consequente nordische 
Gothik gar nicht anerkennt) ist hier ein sehr wohlthuendes; die Strebe- 
Pfeiler, nur mässig vortretend, laufenoben nicht im Thürinchen, son- 
dern in Statuen aus; der schwarze Marmor, nur in seltenen Schichten 
den weissen nnterbrechend, übertönt nicht die zarten Gliederungen, 
und das Kranzgesimsc kann energisch wirken (XIV. Jahrhundert). 
Die Fassade (1284) I), mit ihrem majestätischen Reichthiun, hat ganz 
die überströmende Energie des Giovanni Pisano (der wenigstens das 
Modell schuf) und konnte desshalb (einige Jahre später) von dem 
Baumeister des Domes von Orvieto an ruhiger Eleganz der Linien 
überboten werden. Die gothischen Einzelformen sind übrigens in ver- 
hältnissmässig reiner Tradition gehandhabt. 
Im Innern hebt allerdings die Abwechselung des weissen und des 
1) Dass die Fassade von Siena eine primitivere Anlage zeigt als diejenige von 
Orvieto, lehrt der Augenschein. Dass sie von Giovanni Pisano entworfen 
sei, läugnet Rumohr ohne einen Gegenbeweis zu leisten. Er meint: Vasari 
habe den Giovanni von Siena, welcher 13,10 die lrlinterfassade geschaffen, 
mit Giovanni Pisano verwechselt und darauf hin diesem die Hauptfassade 
zugeschrieben. Ich kann mich nur auf Romagnoli berufen, welcher die sie- 
nesischen Urkunden auch kannte und sich (Genni, p. M) dahin ausspricht: 
Giovanni Pisano habe 1'284 die jetzige I-lanptfassade begonnen und sei drei 
Jahre später zum Bürger der Stadt ernannt worden, beides laut dem Gesti- 
tuto III. Senese.
        

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