Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072807
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Gothische Architektur. 
Kirchen von Assisi. 
erbaute Meister Jacob der Deutsche (1218-1230?) die Doppelkirche 
aS. Francesco zu Assisi. Sie ist eine der Wenigen Kirchen Ita- 
liens, welche das System der nordischen Bildung des Pfeilers (als 
Saulenbündel) in einiger Reinheit aufweisen. Allein schon die Ge- 
wölberippen sind ohne die nordische Schärfe, vielmehr als breit profi- 
lirte Träger gemalter Ornamente gestaltet, und in der Gesammtdispo- 
sition hat das italienische Raumgefühl mit seinen möglichst grossen 
Quadraten das Feld behalten. (Die genannten Ornamente der Gewöl- 
bebänder und Rippen sind, beiläufig gesagt, das bestimmende Vorbild 
für die ganze Gewölbedeeoration der mittelitalischen Gothik 1) gewor- 
den, wie sie es mit ihrer lehensvollen Eleganz verdienten; im dritten 
Gewölbe der Oberkirehe, vom Portal aus gezählt, ist sogar noch die 
ganze dazu gehörende Deckenmalerei von Cimabue erhalten.) Die 
Mauern der Oberkirche sowohl als der Unterkirche sind mit ihren 
nur mässigen Fenstern hauptsächlich den Fresken gewidmet. Die Stre- 
bepfeiler aussen an der Mauer nicht eckig, sondern halbrund, Wen- 
deltreplscn enthaltend. An der schönen Hnuptpforte (unten links) ein 
merkwürdiges Schwanken zwischen antiker und gothischer Einzelbil- 
dung. Das Innere der Oberkirche als Ganzes höchst würdig und im- 
posant. (Die Orypta unter der Unterkirehe durchaus modern.)  
bS. Chiara in Assisi giebt ähnliche Motive einfacher wieder; die 
grossen Strebebogen nur des Abhanges Wegen errichtet. 
Diese Gebäude warfen ein weites Licht über die Gegend und tru- 
gen zum Sieg des gcthischen Styles in Mittelitalien nicht wenig bei. 
Mit S. Francesco nahm der ganze grosse Orden, der von dem dort 
begrabenen Heiligen den Namen führt, Partei für die Neuerung, und 
daneben durfte auch der Dominicanerorden nicht zurückbleiben. Die 
wichtigsten Kirchen der beiden mächtigen Genossenschaften werden 
noch besonders zu nennen sein; hier ist nur auf den allgemeinen Ty- 
pus aufmerksam zu machen, der sich für ihre Gotteshäuser feststellte. 
Die nordischen Bettelordenskirchen des XIII. und XIV. Jahrhunderts 
sind bekanntlich dreischifüge ilachgedeckte Säulenkirchen mit möglichst 
i) Eine freiere Ausfüllung und Einfassung der Glieder mit Laubwerk auf weis- 
x. sem Grunde wurde z. B. in S. Anastasia zu Verona versucht, doch nicht 
mit besonderm Glück.
        

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