Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072772
Allgemeine Züge. 
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als Glockenbehälter (Campanili) liessen sie weder der Sache noch dem 
Wort nach in Vergessenheit kommen. Nun stand ihnen für die Fas- 
Sade jede Form frei; die Folge war eine bereicherte Umbildung der 
Fassaden ihrer romanischen Kirchen, meist als isolirtes Prachtstück 
behandelt, das mit dem übrigen Bau nur äusserlich zusammenhängt 
und ihn schon an Grösse zu überragen pflegt. 
Wenn man von der Pracht des lilaterials, der Marmorseulpturen 
und Mosaiken an den wenigen wirklich ausgeführten Fassaden dieser 
Art (Siena, Orvieto) nicht mehr geblendet ist, so wird man 
gerne zugestehen, dass in ihnen nicht das grösste Verdienst des Baues 
liegt, gerade weil sie am meisten mit gothischen Elementen, die hier 
decorativ gemissbraucht werden, erfüllt sind. Am ganzen übrigen Bau 
aber wird man das Gothische selbst als Zierform nur wenig ange- 
wandt, ja vielleicht auf Fenster und Thiiren beschränkt finden; selbst 
die Hauptbogen, welche das Oberschiif tragen, sind seit dem XIV. 
Jahrhundert und bisweilen schon früher wieder rund.  Und das 
ObersehiiT selbst, Wozu die in Deutschland gebräuchliche Höhe, die 
das Doppelte der Seitenschiiie beträgt? Zu den engen Pfeilerstellun- 
gen des Nordens gehörte sie als nothwendige Ergänzung; über den 
weitgespannten Intervallen der italienischen Kirchen wäre sie schon 
mechanisch bedenklich und für das Gefühl überflüssig gewesen, und so 
erhielt das Mittelschiff nur diejenige Überhöhung, welche der Kirche 
ein mässiges Oberlicht sicherte. (Am Dom von Per ugia sogar die 
drei SchiHe gleich hoch, wie an der Elisabethküche zu Marburg, 
S. Stephan in Mainz etc.) Die Fenster, welche in den Cathedralen 
des Nordens die ganze verfügbare Wandiläehe in Anspruch nehmen 
und recht eigentlich als Negation derselben geschaffen sind, durften 
in Italien wieder auf eine massige Grösse herabgesetzt werden, da 
man hier gar nicht den Anspruch machte, alles Steinwerk nur so weit 
zu dulden, als es sich in strebende Kräfte auflösen liess; die Wand- 
fiäche behielt ihr Recht wie der Raum überhaupt.  Endlich zeigt 
die Pfeilerbildung, dass wenigstens die mittelitalienischen Baumeister 
im Stande waren, das Detail nach denrGanzen ihres Baues nicht 
51058 zu modificiren, sondern neu zu schaffen. Die herübergekomme- 
Ben Deutschen, wie der Meister Jakob, welcher S. Franeesco zu Assisi 
und den Dom von Arezzo schuf, halten noch einigermassen an dem
        

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