Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072741
Gothische Architektur. 
Da der Maasstab, nach welchem wir verfahren, nicht der der 
historischen Merkwürdigkeit, sondern der des bestimmten Stylbildes 
ist, so müssen hier eine Menge Gebäude unentschiedener, disharmoni- 
scher Bildung ungenannt bleiben. Italien ist ganz besonders reich an 
wunderlich zusammengeflickten, theilweise aus alten Resten, theilweise 
aus Zubauten aller Jahrhunderte bestehenden Kirchen; die Unterschei- 
dung- dieser verschiedenen Bestandthcile könnte ganze Abhandlungen 
erfordern, olme dass das künstlerische Verlangen dabei die geringste 
Nahrung fände. Wir beschränken uns auf eine allgemeine Bemer- 
kung, welche bei der Altersbestinimlmg vieler Gebäude zum Leitfaden 
dienen kann: noch Während der ganzen Herrschaft des germanischen 
oder gothischen Baustyls in Italien (XIII. und XIV. Jahrhundert) vv-urde 
unaufhörlich, zumal bei kleinem und entlegenern Bauten, an dem Rund- 
bogenstyl aus Gewohnheit festgehalten. Da man ferner selbst an Haupt- 
bauten dem gothischeu Styl sein echtes Detail nur mit Widerstreben 
und Missverstand abnahm, so bildete sich überhaupt keine so kennt- 
liche, bis in (las geringste Gesims, Blatt oder Thürmchen charakteri- 
stische Formation aus, wie in der nordischen Gothik. Rechnet man 
hinzu, dass die Italiener, selbst "wo sie das lNIeiste beibehielten, doch 
den Spitzbogen bald wieder aufgaben, so wird es nicht mehr befrem- 
den, wenn ihre Kirchen des XIV. Jahrhunderts bisweilen von viel 
frühern nur unwesentlich oder fast gar nicht abweichen. 
QQQQrQ-b 
Das Eindringen der germanischen oder gothischen Baufor- 
men aus dem Norden war für die italienische Kunst ein Schicksal, 
ein Unglück, Wenn man will, doch letzteres nur für die Ungeschickten, 
die sich auch sonst nicht würden zu helfen gewusst haben. WVenn 
man z. B. am Baptisterium von Florenz das XIII. Jahrhundert auf dem 
besten Wege zu einer harmonischen Schönheit in antikisirenden For- 
men findet, S0 wird man sich auch bald überzeugen, dass unter der 
kurz darauf eingedrungenen gothischen Zierform das Grundgeflihl un- 
verletzt blieb und sich gerade unter dieser Hülle auf das Herrlichste 
ausbildete.
        

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