Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072722
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Romanische Architektur. 
Kirchen von Verona. 
derliche Decoration, noch romanisch gedacht, aber in bereits gothischen 
Formen, aus dem XIII. Jahrhundert. 
Vielleicht der edelste romanische Bau Oberitaliens ist die schöne 
ßKirche S. Zeno in Verona, die in ihrer jetzigen Gestalt 1139 be- 
gonnen wurde. In der Fassade spricht sich früher als sonst irgendwo 
die Neigung zum Schlanken und Strebendcn aus, nicht bloss durch 
die verticalen Wandstreifen, sondern noch deutlicher durch die Unter- 
ordnung der horizontalen Galerie, welche von jenen durchschnitten 
wird statt sie zu durchschneiden.  Das Innere ist eine unverkenn- 
bare Vorstufe desjenigen von S. Miniato; eine Basilica abwechselnd 
ailf Säulen und Pfeilern; über letztern sollten sich oben grosse Bogen 
als Mittriiger eines Sparrendaches wölben; allein sie Wurden nur über 
zwei Pfeilern ausgeführt, indem beim weitern Verlauf des Baues eine 
Erhöhung der Obermauer und ein Holzgcwölbe sie unnütz machten. 
Die Crypta ist hoch und ausgedehnt, wie in den meisten oberitalisehen 
Hauptkirchen dieser Zeit. Die Capitäle der Säulen scheinen fast alle 
im Mittelalter nach antiken Vorbildern gemeisselt, die hintersten moder- 
nisirt. (Antik: vielleicht das vorletzte rechts.) Die Bildung des De- 
tails ist durchweg ziemlich streng und gut.  (Das Innere von S. Mi- 
niato ist unliiugbar schöner: je zwei Säulen zwischen den Pfeilern, 
statt bloss einer oder ziveien, so dass die Pfeiler mit ihren Bogen 
grosse Quadrate abschliessen; eine geringere Länge und eine nicht bloss 
relativ, sondern auch (wenn wir nicht irren) absolut grössere Breite 
des Mittelschiffbs; endlich eine vollständige Durchführung derjenigen 
Bedachung, welche in S. Zeno beabsichtigt und wieder aufgegeben 
wurde.)  Der anstossende Klosterhof mit einem eigenthiinalichen Aus- 
bau ist gleichzeitig mit der Kirche. 
Die übrigen alten Basiliken Verona's, welche wir bei diesem 
lAnlass nachholen, zeigen einige interessante Eigcnthümlichkeiten. So 
bhat S. Lorenzo ein oberes Stockwerk von Galerien und aussen an 
der Fassade zwei antik scheinende Rundthiirme. Das Innere, abwech- 
selnd Pfeiler und Säulen, letztere zum Theil mit antiken Oapitälen, 
gehört doch Wohl erst unserm Jahrtausend an; das Tonnengewölbe 
ßvielleicht ursprünglich.  S. Zeno in Oratorio, zwar klein und 
gedrückt, doch nicht sehr alt, mit einem Kuppelchen vor der Tribuna. 
d- In S. Maria antica. haben nur noch die Säulen ihre ursprüng-
        

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