Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072666
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Sau Marco in Venedig. 
antiken Capitäle irgendwie repräsentirt. Die grossen Capitäle über 
den Hauptsäulen im Innern sind von der in Ravenna üblichen Art der 
korinthischen, zum Theil auch der Oomposita-Ordmlng; der Akanthus 
ist zwar zu sehr ermattet, um noch jenen schönen elastischen Um- 
schlag der römischen Zeit hervorbringen zu können, allein seine Blätter 
sind doch eigenthümlich lebendig gezackt; an einigen statt der Voluten 
Widderköpfe.  Sonst findet man ausser dieser gcwöhnlichsten 
ravennatischen Form auch die mit einzeln aufgeklebt scheinenden Blät- 
tern, die zu Ravenna an S. Apollinare in Classe und an der Hereu- 
lesbasilica vorkommt, sogar mit seitwärts gewebten Blättern. Korin- 
thisirende mit bloss einer Blattreihe kommen besonders an den kleinern 
Säulen der Fassade vor; darunter auch solche mit Stieren, Adlern etc. 
an den Ecken. 
Im Gegensatz zu diesen vom Alterthum abgeleiteten Bildungen 
macht sich dann das ganz leblose, nur durch ausgesparte vegetabilische 
und kalligraphische, z. B. gitterartige Verzierungen äusserlich berei- 
cherte Muldeneapitäl geltend, das in Ravenna schon seit dem VI. Jahr- 
hundert auftaucht. Von den vielen Variationen, in welchen es hier 
vorkömmt, ist die rohste die an mehreren Wandsäulen des Innern, die 
interessanteste, die an den bogentragenden Wandsäulen in der Vor- 
halle; da letztere ein zaghaftes Nachbild ionischer Voluten unter sich 
haben, so scheinen sie eher für eine Art von vermittelnden Consolen 
als für eigentliche Capitäle gelten zu sollen. Neben dieser Form 
kommt auch das echte abendländische Würfelcapitäl, doch nur ver- 
einzelt vor.  Endlich offenbaren die Capitäle der acht freistehenden 
Säulen in der Vorhalle den Charakter absonderlicher Prachtarbeiten 
irgend einer Bauhiitte von Constantinopel; es sind diejenigen mit den 
noch antik schönen Löwenköpfen und Pfauen.  Die beiden vierecki- 
gen Pfeiler aussen an der Südseite , welche aus einer Kirche in Pto- 
lemais stammen, sind eine Trophäe aus der Zeit der Kreuzzüge.  
Einzelne Renaissancecapitäle kamen bei Ausbesserungen hinzu. 
Der Eindruck des Gebäudes ist von der historisch-phantastischen 
Seite ungemein bedeutend. Der Inselstaat, ein Unieum in der Welt- 
geschichte, hat hier geofienbart, was er in den ersten Zeiten seiner 
höhern Blüthe für schön, erhaben und heilig hielt. Er hat das Ge- 
bäude auch später immer respectirt und sich selbst auf dem Gipfel
        

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