Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072532
Baptisten-mm und Campanile von Pisa. 
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den spätem Baugedanken gehört, ebenso ihre Aussenwand, welche 
eine obere Pilasterordnung über den Wandbogen bildet. 
Vollständiger spricht sich dann dieser gereinigte Styl im Bapti- a 
sterium aus, welches 1153 von Diotisalvi gegründet wurde. (Die 
gothischen Zuthaten, Baldachine, Giebel, Spitzthürmchen sind erst im 
XIV. Jahrhundert hinzugekommen.) Man wird hier durchgängig die 
Formenbildung des Domes veredelt und vereinfacht wieder linden, die 
Bogenproüle, die Moseicirung der Füllungen u. s. w. Auch meldet 
sich an der iiussern Galerie wie im Innern, wenn nicht durchgängig, 
so doch vorherrschend das eigenthiimlich romanische Capitiil. Ganz 
besonders wichtig ist aber die Unterbrechung nach jeder dritten Säule 
im Innern durch einen Pfeiler, und zwar im obern sowohl als im un- 
tern Stockwerk; worin sich deutlich das Verlangen nach einem höhern 
baulichen Organismus ausdrückt. Ebenso ist die hohe konische Innen- 
kuppel nur eine ungeschickte Form für das Bedürfniss nach einem 
leichten, strebenden Hochbau.  Die Schranken um den Mittelraum 
und die Einfassung des Taufbeckens zeigen, welch ein neues Leben 
auch innerhalb der Decoretion erwacht wer, wie man auch hier sich 
von dem blossen Mosaik mit Prachtsteinen losmachte zu Gimsten einer 
reinen und bedeutenden plastischen Verzierung. 
Seit 1174 bauten Wilhelm von Innsbruck und Bonannusb 
das Campanile, den berühmten schiefen Thurm 1). Hier ist die 
1) Die berühmte Frage über Absicht oder Nichtabsicht beim Schiefbau erledigt 
sich bei einiger Aufmerksamkeit leicht. Offenbar wurde der Thurm lothrecht 
angefangen und senkte sich, als man bis in das dritte Stockwerk gelangt wwar, 
worauf man ihn schief aushaute.  Bei diesem Anlass hat E. Förster 
(Handbuch ctc., s. d. Art.) eine allgemeine Ansicht nicht nur ülmi- diesen 
Schiefbau, sondern über die Bauungleichheitcn der sämmtliclien umliegenden 
Prachtgchäuile entwickelt, welcher ich Anfangs glaubte bcipiiichtcn zu müs- 
sen, bis die Vergleichung anderer italienischer Gebäude des XI. und XII. 
Jahrhunderts mich wieder davon ahhrachte. Der Raum erlaubt mir hier 
keine Widerlegung, sondern nur Gegenbehauptungen, deren Bündigkeit der 
Leser beurtheilen mag.  
Für's Erste wagte man damals allerdings absichtlich e S chiefbau- 
ten; dieser Art ist wohl die Garisenda in Bologna, ein Werk der Prahlerei, 
des adlichen Erbauers oder des Architekten; die daneben stehende Torre 
degli Asinelli könnte schon eher durch Senkung des Bodens schief gewor-
        

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