Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072456
Ornamente. 
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wahrhaft harmonischen Eindruck machen kann. Wohin musste es 
schon im VI. Jahrhundert in Italien gekommen sein, wenn man für 
die ravennatischen Kirchen, in Errnanglung antiker Bruchstücke, die 
Säulen und Capitäle aus der Gegend von Censtantinopel fertig holen 
liess? Selbst die baulichen Combinationen und Ideen kamen, wie er- 
wähnt, theilweise von Osten her. 
Und doch keimt neben der Barbarisirung der grössern Bauformen 
ein Rest schöner Einzelbildnng weiter in Gestalt des Ornamentes 
zu gewissen Zwecken. 
Der Schutt Roms war damals unermesslich reich an kleinern Bau- 
stücken aller Art, die Jedem zu Gebote standen. Aus steinernen und 
thönernen Consolen, Simsfragmenten, Cassetten u. s. w. entstand im 
X. Jahrhundert die sog. Casa di Pilate (richtiger Haus des Cres-a 
centius). Ausserdem aber gab es und giebt es stellenweise noch Plat- 
ten von kostbaren Steinen, mit welchen einst die Wände der Paläste 
belegt gewesen waren; es gab Porphyrsäulen und Fragmente solcher, 
auch vielen grünen nmnidischen Marmor und Giallo antico. Diese 
Reste zersehnitt man und setzte daraus neue Zeichnungen zusammen; 
die zu Scheiben gesagten Porphyrsliulen pflegten dann die Mitte der 
zu verzierenden Fläche einzunehmen; (las Übrige wurde mit gelbem, 
grünem und weissem Marmor ausgelegt. Das inzwischen sehr empor- 
gekommene Mosaik half mit seinen Glaspasten und zumal mit Gold 
nach; doch blieb der Stein in Rom immer das Vorherrschende, und 
diese Decoration ist daher schon von Anfang an etwas Anderes als 
die saraeenische oder moreske, welche wesentlich auf Glaspasten be- 
schränkt blieb. Letzteres gilt, wie wir sehen werden, auch von der 
unteritalischen. 
Die Gegenstände, um welche es sich handelt, sind Fussböden, 
Thürpfosten, bischöfliche Throne, Lesepulte (Ambonen, Analogien), 
Schranken und Einfassungen von Sitzen, Altäre und Säulen für 
die Osterkerze. Die der Sculptur und der plastischen Ornamentikl) 
1) Was von dieser in Rom vor dem XII. Jahrhundert vorkommt, ist iiussersl; 
barbarisch, und so auch Späteres, was nhzht von den Cosmaten herrüllrt.
        

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