Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072394
Centralbau. 
Baptisterien. 
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Eude in Gestalt einer Nische u. dgl. für den Altar eingerichtet und 
so für die Gemeinde die von andern Kirchen her gewohnte Längen- 
perspective hergestellt. Dieser Widerspruch benimmt den betreffenden 
Kirchen gewisscrmassen die höhere Weihe; das schöne Gebäude und 
dann der Altarraum sind zwei verschiedene Dinge. 
Abgesehen hievon ist aber der Centralbau eines so vollkommenen 
Abschlusses in sich, einer so grossen monumentalen Ausbildung fähig, 
dass selbst die weniger geschickten Lösungen dieser Aufgabe immer 
ein hohes Interesse erregen. 
Für die Baptistericn, welche hier vorweg zu behandeln sind, 
behauptete sich von frühe an die Form des einfachen oder des mit 
einem Umgang versehenen, oben zugedeckten oder zugewölbten Acht- 
ecks, in dessen Mitte der 'I'aufbrunnen stand. Seltener kommt eine an- 
dere polygonc oder die runde Form vor. An keinem des ersten Jahr- 
tausends zeigt die Aussenseite (jetzt) mehr als glatte Wände; die ganze, 
oft grosse, Pracht war dem Innern aufbehalten. Auf künstliche Be- 
lenchtung geflissentlich berechnet, sind die Räume meist ziemlich dunkel, 
nur durch eine Lanterna und durch die offene Tliür erhellt. 
Das Baptisterium beim Lateran in Rom (432-440) hat nichts ß 
Ursprüngliches mehr als seine Doppelstellung von Säulen mit geraden 
Gebälken und die Mauern, nebst der von zwei grossen Porphyrsäulen 
gestüztexi, in zivei halbrunde Nischen auslaufenden Vorhalle (gegen den 
Hof). Mit dem echten, ernsten Schmuck versehen, würde es einen 
ganz andern Eindruck gewähren als mit den Malereien des Sacchi und 
hlaratti; ein kleiner mosaicirter Nebenraum und das prächtige Orna- 
ment grüngoldener Weinranken auf blauem Grunde in der linken Ni- 
schenkuppel der Vorhalle deuten noch an, in Welchen Farben und 
Ornamenten das ganze Gebäude prangen mochte. 
Die Kirche S. lNIaria maggiore, einige Minuten ausserhalb No-h 
cera unweit seitab von der Landstrasse nach Pompeji, ist ein Bap- 
tisterium des IV. Jahrhunderts, aus antiken Baustücken ohne beson- 
dere Sorgfalt zusammengebaut. Ein Kreis von je zu zweien zusam- 
mengestellten Siiulen trügt sofort (ohne Cylinder) die mittlere Kup- 
pel; der Umgang ist rings angewölbt; eine kleine Tribuna schliesst 
sich daran. Von Aussen ganz formlos, giebt dieses Gebäude in be- 
sondcrm Grade denjenigen Eindruck des Geheimnissvollen, durch wel-
        

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