Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072307
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Christliche Architektur. 
Basiliken. 
in Übung sind und wvährcnd die verfügbaren antiken Säulen u. s. W. 
bereits auf das Empfindlichste abnehmen. Die einzige wesentliche Ver- 
änderung in dieser langen Zeit besteht in einem stärkern Verhältniss 
der Höhe zur Breite in den römischen Basiliken des zweiten Jahrtau- 
sends. Rom überliess es dem Ausland, aus dem grossen urchristli- 
chen Gedanken des perspectivischen Langbaues die weitern Conse- 
quenzen zu ziehen. Nach einer Reihe von Umbildungen, die in der 
Kunstgeschichte zuerst nach Jahrhunderten, später nach Jahrzehnden 
nachzuweisen sind, ging aus der Basilica ein Kölner Dom hervor. 
Wenn nun aber auch dieser Bauform jede eigentliche Entwick- 
lung fehlt, wenn sie die antiken Überbleibsel in einem ganz andern 
Sinne aufbraucht als für den sie geschaffen sind, so giebt sie doch 
grosse, einfache liiotive und Contraste. Die eolossale halbrunde Nische 
als Abschluss des quadratischen Ganzen und des langen geraden Haupt- 
sehiffes hatte vielleicht in keinem antiken Gclaiiude so hochbedeutend 
wirken dürfen. Überdiess lernt man den Werth grosser antiker Oolon- 
naden, Welche ja fast slimmtlich diesen und ähnlichen Zwecken auf- 
geopfert wurden, geradezu nur aus den christlichen Basiliken kennen. 
XVer Sauct Paul vor dem Brande mit seinen vier Reihen von je zwan- 
zig Säulen phrygischen und nuniidisehen Marinors gesehen hat, ver- 
sichert, dass ein architektonischer Anblick gleich diesem auf der Welt 
nicht mehr vorhanden sei. 
Nicht unwesentlich für die Grössenwirkung erscheint es auch, dass 
alle Zierbauten im Innern, der Altar sammt Tabernakel, die Kanzeln, 
Pulte u. s. w. ziemlich klein gebildet wurden, d. h. nicht grösser als 
der Gebrauch es verlangte. Die Decoration der Barockzeit glaubte 
diese Stücke in einem vermeintlichen "Verhältnisse" zu der Grösse des 
Baues bilden zu müssen, während sie doch nur zu der Grösse des 
Menschen, der sie bedienen, besteigen etc. soll, in einem natürlichen 
Verhältniss stehen. BerninYs Riesentabernakel in S. Peter, die Riesen- 
kanzeln im Dom von Mailand und andere Verirrungen dieser Art wer- 
den dem Reisenden nur zu nachdrücklich in die Augen fallen. 
Von den Basiliken Roms zählen wir hier nur diejenigen auf, in 
welchen das Ursprüngliche noch kenntlich vorherrseht.
        

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