Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Architectur
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1071116
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1072296
Altäre. 
Chorus. 
79 
Zeit erhalten haben mögen. Zunächst die Altäre, deren bis ins IX. 
Jahrhundert jede Kirche nur einen hatte. Sie sind sämmtlich so ein- 
gerichtet, dass der Priester (lahinter steht und sich mit dem Angesicht 
gegen die Gemeinde wendet. Über ihnen erhebt sich mit vier Säulen 
(Wozu man immer die kostbarsten Steine nahm, die zu haben waren) 
der Tabernakel, dessen oberer Theil oder Baldachin einen besondern 
kleinen Zierbau bildet (obere Stiulchenstellung, kleine Kuppeln n. dgl. 
auch wohl einfache Giebel). Alte Beispiele sind in S. Lorcnzo fuori') a 
und in S. Giorgio in Vclabro zu Rom erhalten; ein späteres in S. Cie- b 
mente; eines aus dem IX. Jahrhundert in S. Apollinare in Cla-ssec 
bei Ravenna (im linken Seitenschiif), und eines aus dem XII. Jahr- 
hundert (wenn nicht älter) in S. Anastasia zu Rom; auch die zweid 
Scitenaltäre des Domes von Tcrracina haben noch ihre ursprüngliche c 
Form (XH. Jahrhnndert?). An sehr vielen Altiiren aber sind nur noch 
die vier Säulen alt. 
Sodann war die Einrichtung des sog. Ohoru s, Welche nur noch 
in S. Clcmente zu Rom deutlich erhalten ist, eine Eigenthiimlichkeitf 
der alten kirchlichen Anordnung, wenn auch nicht der nrchristlichen. 
Ein viereckiger Raum gegen Ende des liflittclschiiies, um eine oder 
wenige Stufen erhöht und mit marmornen Schranken umschlossen, 
diente zur Aufstellung der psullirenden Priesterschaft 1) 5 an seinen hei- 
dcn Seiten Waren die Lesepulte (Analogie) angebracht, links (vom 
Altar aus gerechnet) dasjenige für die Epistel, rechts dasjenige für 
das Evangelium. 
Überblickt man das Ganze dieser neuen Kunstschöpfung, so fehlt 
ihr Wesentlich das organische Leben, Welches die Glieder eines Baues 
in einen harmonischen Zusammenhang bringen soll. Die Benutzung 
antiker Baureste, an die man sich einmal gewöhnt hatte, ersparte zu- 
dem den folgenden Baumeistern die eigenen Gedanken, und so bleibt 
ihre Kirchenform bis ins XIII. Jahrhundert stationär, Während in Ober- 
italien und im Norden schon längst entscheidende neue Bauprincipien 
1) Das Grabmal Lavagna, rechts von der l-lnuptthür derselben Kirche, besteht 
aus einem ganz ähnlichen Tabernahcl (über einem ant. Sarcogihag), Tißllcicht 
erst vom Jahr 1256. 
2) Vielleicht doch nur in Kirchen ohne Querschifl" als Ersatz (lafiir gebräuchlich?
        

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